Terrorgefahr in Deutschland: Auf größere Zahl von gleichzeitig Schwerverletzten nicht befriedigend vorbereitet

Erschreckendes aber nicht überraschendes Fazit eines kompetenten Fachexperten

Die Vorab-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zur ihrer diesjährigen Notfallkonferenz unter dem Thema: „Terroranschläge – eine neue traumatologische Herausforderung“ fasste ein Kenner der Verhältnisse als Teilnehmer auf dem Podium persönlich in der Weise zusammen, dass er die medizinischen Vorbereitungen für einen größeren Anfall von Schwerverletzten nicht als befriedigend ansah.

Steigerungsraten Überlebender lassen sich mit gutem politischen Willen noch weiter verbessern

Dabei habe es in den letzten 20 Jahren deutliche Verbesserungen bei der Behandlung von Schwerverletzten gegeben, so dass die Rate der Sterbefälle von 30% auf 15 % gesenkt worden sei und noch weiter verbessert werden könne.

Mehr medizinische Schulungen für den Ernstfall notwendig

Für besondere Formen von Verletzungen wie z. B. Splitter- und Explosionsverletzungen seien nun in Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr für Unfallchirurgen Schulungsangebote vorbereitet worden, die rechtzeitig genutzt werden sollen, um die schlimmen Folgen solcher Verletzungen zu verringern und die Überlebensraten im Falle möglicher Geschehnisse mit einem deutlich erhöhten Anfall von Schwerverletzten zu erhöhen.

Finanzielle Förderung als Sonderaufwand unerlässlich Hohe

Die Podiumsteilnehmer verbanden dies mit einem deutlichen Appell an die Politik, rechtzeitig die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen und bereits im Vorgriff getätigte Aufwendungen zu erstatten. So solle das bereits in Deutschland vorhandene Traumanetzwerk deutlich besser uterstützt werden.

Mehr bürgerschaftliches Engagement notwendig

Die Vorbereitung für einen deutliche Zahl von gleichzeitig Schwerverletzten bedürfe allerdings nicht nur fianzieller Aufwendungen. Hier sei das in Deutschland ja allgemein vorhandene bürgerschaftliche Engagement besonders gefordert und müsse auch intensiv gefördert werden.

Maßnahmen, wie unentgeltliche Auffrischungskurse in Erster Hilfe einschließlich dem Abbinden von Gliedmaßen, die Vorhaltung zentraler Helfermeldestellen zur Betreuung von Opfern bis zum Transport in die nächstgelegenen Krankenhäuser und weitere Fortbildung für größere Verletztenzahlen sollten in Angriff genommen werden. Hier kann bürgerschaftliches Engagement bsonders helfen.

Sicherlich wäre es auch sinnvoll, die allgemeinen Verhaltensregeln für Unfälle und andere Unglücke sich wieder in Erinnerung zu rufen.

Folgende fünf Regeln haben sich bewehrt:

  1. Ruhe bewahren,
  2. Bei Verletzten sofort ein Anruf bei 112.
  3. Verletzte betreuen und Hilfe leisten. Auch hier genügen meist wenige Helferinnem und/oder  Helfer (1-2).
  4. Verletzten Beistand leisten ist wichtig, aber nichts überhasten.
  5. Rascher Rückzug von Nichthelfern aus der Rettungszone.
  6. Rettungswege freihalten bzw. Rettungswege freimachen.

Qualitätsdiskussion: Mediziner wollen alleine bestimmen, was sie für Qualität halten

Nachdem das halbstaatliche Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) im konsequenter Umsetzung des Koalitionsvertrages zu Beginn dieser Legislaturperiode 2013 durch den Vorschlag von Qualitätsindikatoren sehr forsch das Thema „Pay for Performance“ unerwartet energisch vorantrieb, gibt es nur wenige ärztliche Lobbygruppen, die das IQTIG nicht erfolgreich gegen sich aufgebracht hätte.

Selbst ein Präsident einer großen medizinischen Fachgesellschaft weißt auf die Gründung des IQTIG in diesem Jahr hin und dass es eigentlich noch Anfangsschwierigkeiten haben müsste. Dabei steht das IQTIG in einer fast zehnjährigen Tradition der – allerdings meist folgenlosen – Qualitätssicherung im Gesundheitswesen, die natürlich in diesen ganzen Zeit von Medizinern dominiert wurde. Der Stellenwert der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen war entsprechend begrenzt, obwohl schon durch die Vorgänger AQUA und BQS die nur eingeschränkt für Patienten verständlichen Zahlen kommuniziert wurden.

Nun geht dem Gesundheitswesen um’s Geld, da ist die Achtsamkeit der Mediz9iner natürlich besonders groß. Und so wird das IQTIG aus den Kreisen der betroffenen Gesundheitswirtschaft auch so ziemlich unisono für seine unbefangene Veröffentlichung von Qualitätsindikatoren, die mit der ärztlichen Lobby noch nicht abgestimmt waren, kritisiert.

Dabei ist das IQTIG eigentlich sehr zurückhaltend, denn auf absehbare Zeit sollen die Qualitätsanforderungen, wie in unserem Gesundheitswesen allgemein üblich, keineswegs durch den Patienten bestimmt werden. Stellvertretend für den Patienten finden sich rasch andere Player des Gesundheitswesens mit virulenten Eigeninteressen, die zu allem Überfluss auch noch in „Bänken“ institutionalisiert sind.

Dies führt natürlich schon per se zu einer deutlichen Verwässerung und Unschärfe des Qualitätsbegriffs im Gesundheitswesen, denn die Qualitätsparameter sind dabei dem freien Spiel der Kräfte überlassen.

Wo eigentlich die Patienten die Qualitätsindikatoren im MGesundheitswesen bestimmen müssten, finden sich rasch in allen Machtgruppen des Gesundheitswesens eilfertig Wahrer der Patienteninteressen, meist stellvertretend und selten immer interessenfrei.

Da wird dann interessengerecht der Qualitätsbegriff ausgelegt und zu bestimmen versucht. Patienten werden allenfalls in Form ihrer ganz großen nicht immer staatsfernen Verbände befragt, ohne Stimmrecht natürlich und meist zuvor professionell „konsentiert“. Expertise ist da nicht gefragt und wird auch nicht vergütet. In der Qualitätssicherung zählt nur das Erreichen des Durchschnitts.

Da haben es die multiplen Ärzteverbände und medizinischen Fachgesellschaften leicht, ihre vermeintliche Allzuständigkeit für den Qualitätsbegriff für sich zu reklamieren und zu beanspruchen, dass sie die Qualitätsindikatoren des für sie Erreichbaren selbst bestimmen.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben naturgemäß vorrangig die Wirtschaftlichkeit des Gesundheitswesens im Auge, so dass schon konstruktiv eigentlich das Durchschnittliche auf einen bezahlbaren Niveau den Qualitätsbegriff im Gesundheitswesen dominiert.

Der Versuch des IQTIG, durch die meist keineswegs neuen Qualitätsindikatoren die Diskussion in eine neue Richtung zu lenken, ist aus Patientensicht sehr zu begrüßen, auch wenn Patienten sicher Qualität nicht immer im Gleichschritt mit dem IQTIG buchstabieren würden.

Aber der Versuch des IQTIK, die Qualitätsdiskussion in die richtige Richtung zu lenken, wird angesichts der Gegenwehr großer maßgeblichen Lobbygruppen im Gesundheitswesen wohl eher scheitern, da sich viele Player im Gesundheitswesen noch nicht reif für eine teilweise qualitätsorientierte Vergütung fühlen, selbst wenn die Zu- und Abschläge moderat bemessen sein sollten.

Zu lange hat sich die Medizin sehr sicher gefühlt. Diese an Fallzahlen orientierte komfortable Sicherheit wrd sie natürlich nicht kampflos preisgeben.

Auch wenn Patienten in der Qualitätsdiskussion nur wenig oder sogar nichts zu sagen haben, dürfte die wieder aufflammende Qualitätsdiskussion richtig spannend werden und dieses Mal nicht wieder so schnell zum Erlöschen zu bringen sein.

Der Großen Koalition sein Dank! Denn mehr Qualität im Gesundheitswesen könnte ausnahmsweise mal ein echter Fortschritt im sonst doch so innovationsarmen Gesundheitswesen sein.

Was ist eigentlich ein Gesundheitssystem wert, das Jahr für Jahr mehr als 100.000 chronisch kranke Jugendliche der Gefahr einer Traumatisierung aussetzt?

Jahr für Jahr müssen mehr als 100.000 chronisch kranke Jugendliche in der gesetzlichen Krankenversicherung mit Vollendung ihres 18. Lebensjahres auf einen Schlag ihre gesamten Ärzte und Krankenhäuser von Pädiater zum Erwachsenenarzt wechseln und damit das bisher erworbene Vertrauen schlagartig kappen und völlig neu aufbauen.

Die negativen Folgen dieser einschneidenden Regelung sind bestens bekannt, werden aber nur völlig unzureichend punktuell durch einzelne Projekte zu ändern versucht.

Weil sie nicht mehr zu ihren Kinderärzten dürfen, brechen nicht wenige Jugendliche mit chronischen Erkrankungen ihre Therapie unvermittelt ab, obwohl sie weiterhin therapiebedürftig sind.

Über die Kosten dieser massiven Fehlsteuerung im Gesundheitswesen kann nur spekuliert werden. Es dürften insgesamt mehrere 100 Mio. € unnötiger zusätzlicher Mehrkosten sein, von den häufig schweren gesundheitlichen (Spät-)Folgen eines solchen Therapieabbruchs soll hier gar nicht geredet werden.

Ein Gesundheitssystem, das sich zu Lasten junger Menschen diese Fehlsteuerung leistet, entlarvt sich selbst.

Schuld sind die Handelnden: Politik, Gesundheitsministerium und Ärzteverbände.

Mitschuldigen sind all diejenigen, die dies scheinbar unbewegt zulassen, auch die Eltern und deren Verbände.

Zehntausende Patientenverfügungen und Patientenvollmachten ungültig?

Bundesgerichtsgerichtshof bringt es in einem Urteil an den Tag

Trügerische Sicherheit: Sind Ihre Patientenverfügung und ihre Patientenvollmacht überhaupt wirksam?

Sie schlummern üblicherweise in einer Notfallmappe im Wohnzimmerschrank, mehr oder weniger griffbereit. Und viele zehntausende Menschen vertrauen auf sie in der Hoffnung, sie nie wirklich brauchen zu können. Denn mit der eigenen Krankheit oder dem eigenen Lebensende befasst sich eigentlich niemand so richtig gerne.

Rasch mal aus dem internet heruntergeladen, den eigenen Namen eingesetzt und unterschrieben. Und dann möglichst schnell wieder weggelegt. Das war die vielfach gelebte Praxis seit Anfang der 90er Jahre des vergangenen 20. Jahrhunderts.

Dieser Praxis hat nun der Bundesgerichtshof (hier) mit einer Entscheidung ein jähes Ende und eine klare Absage bereitet. Solche unreflektierten vorformulierten Patientenverfügungen und Patientenvollmachten sind an wichtigen Stellen unwirksam.

Es wird nun geraten, alle Patientenverfügungen und Patientenvollmachten (Vorsorgevollmachten) durch einen wirklich kompetenten und entsprechend ausgewiesenen Fachmann zu überprüfen und ggf. neu formulieren zu lassen. Wie gerade der entschiedene Fall zeigt, gilt dies auch für notarielle Vollmachten, die oftmals gerade an entscheidenden Stellen zu unbestimmt formuliert sind.

Nur dann können Patienten sicher sein, im Falle einer schweren Erkrankung alles Notwendige getan zu haben.

Es ist zu erwarten, dass sich gerade Mediziner aus unterschiedlichen Gründen rasch auf diese Unwirksamkeit berufen werden, denn das urteil wird in der Fachpresse schon entsprechend publik gemacht (hier)

Es wird nicht wenige Ärzte geben, die in Zukunft zunächst ihren (Krankenhaus-)Juristen fragen werden, ob sie diese Patientenverfügung überhaupt anwenden dürfen oder sie vielleicht anwenden müssen.

Brand im Krankenhaus oder im Altenheim: Haben Sie schon nach Ihrem Evakuierungsplan und nach der letzten Brandschutzübung gefragt?

Sie sind gar nicht so selten, die Brände im Altenheim oder im Krankenhaus. Brandschutzunterweisungen müssten daher Teil jedes Aufnahmegesprächs sein und bei längeren Aufenthalten auch regelmäßig einmal im Monat wiederholt werden,

Unabdingbare Voraussetzung ist dafür ist natürlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses und des Altenheims wissen, was im Brandfall zu tun ist und dies regelmäßig auch geschult wird.

Dies zu überprüfen, ist eine der wirklich wichtigen Aufgaben der Heimaufsicht und der  Krankenhausaufsicht, oder sollte dies zu zumindest sein. Aber wahrscheinlich muss erst das eine oder andere Strafverfahren wegen Verletzung der Aufsichtspflicht durchgeführt worden sein, bis manche Behörden diese Aufsichtspflicht ernst nehmen. Solche Strafverfahren haben in der Regel weit über den Einzelfall hinausgehende Fernwirkungen, wie die Ermittlungen gegen Jugendamtsmitarbeiter zeigen.

Chaos bei Brandausbruch ist nichts Ungewöhnliches. Aber das Chaos kann entscheidend verkürzt werden, wenn alle Beteiligten auf ihre Aufgabe im Brandfall rechtzeitig vorbereitet sind.

Rechtszeitige Vorbereitung rettet Leben. Für diese Vorbereitung müssen Altenheime und Krankenhäuser sowie und ihre Aufsichts- und Brandschutzbehörden rechtzeitig Sorge tragen und ihre Notfallpläne ständig auf dem Laufenden halten. Wo dies nicht erfolgt ist, sollten Staatsanwaltschaften regelmäßig Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung prüfen.

Patientenportale – häufig hilfreich bei der Qualitätseinstufung

10 Tipps im Umgang mit Patienten-Bewertungsportalen

  • Patientenportale sind umso besser, je mehr Bewertungen enthalten sind. Weniger als 10 Bewertungen sind nicht repräsentativ
  • Bewertungen, die älter als drei Jahre sind, spiegeln allenfalls einen groben Trend wider und sollten weniger Berücksichtigung finden
  • Bei Kliniken ganz ohne Bewertungen vorsichtig sein. Dies kann an der aktiven Abwehr häufiger schlechter Bewertungen liegen.
  • Klinikbewertungen in hoher Zahl (über 100) taugen als erste grobe Qualitätsorientierung
  • Für die ärztliche Qualität immer auf die spezielle Fachabteilung fokussieren und die Bewertungen entsprechend filtern.
  • Emotionale negative Bewertungen sind allenfalls Hinweise auf Mängel, aber meist nicht ausschlaggebend für ein Qualitätsurteil.
  • Klinikweite Pflege- und Verwaltungsqualität sind häufig reale Qualitätsabbildungen
  • Die meisten Einträge in Patientenportalen sind ohnehin positive Einträge
  • Undifferenzierte Einser-Bewertungen sind häufiger keine echten Patientenbewertungen sondern in hohem Maße ärztlich induziert. Derzeit kann (noch) Detaildifferenzierung die Spreu vom Weizen trennen.
  • Patienten-Zufriedenheitsbefragungen sind häufig noch wenig aussagekräftig.

Vom Gottesurteil zur Versorgungsqualität

Der ärztliche Qualitätsbegriff im Wandel der Zeiten

Die medizinische Wissenschaft ist eine jahrtausendealte Erfahrungswissenschaft, die sich über die Jahre hinweg massiv gewandelt hat. Mit ihren Veränderungen ist im Laufe der Zeit auch der Qualitätsbegriff ein anderer geworden.

Dass dies kein kontinuierlicher Wandel war, zeigt schon die Findung neuer Begriffe für das noch in der Wandlung befindliche Qualitätsverständnis.

„Patienten haben sich nicht über ärztliche Qualität zu äußern,“ befand noch der Leiter einer gro0en deutschen Universitätsklinik vor einigen Jahren. Und er hatte – auch seiner Sicht — vielleicht sogar nicht einmal unrecht. Nicht selten begann medizinischer Fortschritt in den Anfängen letal nach dem Motto „Trail and error“. Patienten wurden als Fallzahlen gemessen, das „Outcome“ des „Patientenguts“ zeigte die nur mäßig vorhandene Empathie. Und teilweise soll das heute ja auch noch so sein.

Da war es an der Zeit, einen neuen Interimsbegriff zu finden: die „Versorgungsforschung“, der Begriff ist neu. So neu, dass vor drei Jahren eine soeben frisch approbierte Medizinern noch in aller Unschuld fragen konnte: „Versorgungsforschung, was ist das?“

Kein Zweifel, es wird noch einige Zeit dauern, bis unter medizinischer Qualität nur noch Versorgungsqualität verstanden wird. Das Motto „Operation gelungen, Patient tot“, hatte zu lange in den vorigen Jahrhunderten die Maßstäbe für medizinische Helden gesetzt. Dabei galten als medizinische Helden nicht etwa die armen verstorbenen Patienten sondern diejenigen Ärzte, die das Leben ihres Patienten mit ungewissem Ausgang auf’s Spiel setzten.

8wird fortgesetzt)

Selbst bei der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) rückt der Patient jetzt stärker in den Mittelpunkt

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch langsam wird eine stärkere Patientenorientierung zum Megatrend.  Megatrends haben den Vorteil, dass diejenigen, die sich ihnen entziehen wollen, nicht unbedingt als zukunftsorientiert gelten.

Manche medizinische Fachgesellschaft tat sich in den letzten Jahren nicht leicht, den Patienten im Mittelpunkt zu sehen. Auch für die DGIM stand mehr die Medizin als der Patient im Zentrum ihres Bemühens. Patienten durften sich eher als Sünder fühlen, wenn es darum ging, ärztliche Fehlentwicklungen zu erklären und zu entschuldigen. Sicher haben medizinische Fachgesellschaften auch nicht die Aufgabe, übermäßige Schuldzuweisungen zu Lasten ihrer Mitglieder vorzunehmen. Und die Patienten als schwächstes Glied in der Gesundheitsversorgung nahmen oftmals diese Schuldzuweisung notgedrungen hin, denn sie brauchten ja ihre Ärzte.

Dass das Weltbild der DGIM in den vergangenen Monaten zunehmend Risse bekommen hatte, merkte selbst der eine oder andere Verbandsobere. So zum Beispiel, wenn die Medien gebeten wurden, doch nicht so negativ zu berichten. Dennoch tat sich die DGIM – möglicherweise auch aufgrund ihrer langen Tradition – schwer, die Zeichen der Zeit als unausweichlich zu akzeptieren und Patienten als Partner wirklich wahrzunehmen.

Der jetzt vollzogene Wechsel in der Führung der DGIM bietet die Chance zum Neuanfang bei der Patientenorientierung des Verbandes. Der Göttinger Kardiologe Prof. Dr.  Gerd Hsenfuß übergibt sein Amt als Vorsitzender der DGIM nun an die Münchner Diabetologin Prof. Dr. Petra Schumm, die bis in den Frühsommer 2017 die DGIM führen wird.  Als ausgewiesene Spezialistin für durch Diabetes hervorgerufene Chronische Wunden hat sie alle Chancen, die bisher nicht immer optimale Patientenorientierung der DGIM zu verbessern und zu einem Markenzeichen des Verbandes zu machen.

Dazu hat die neue Vorsitzende Petra Schumm ein Jahr Zeit, die DGIM anforderungsgerecht neu auszurichten und Fehlentwicklungen der Vergangenheit in dieser von hoher Kontinuität geprägten zu beenden.

 

Auch Ärzte tun sich schwer mit „Klug entscheiden!“, der neuen Aktion der DGIM

So schwierig hatten es sich die Verantwortlichen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ihre Aktion im Rahmen ihres Dachverbandes AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften) wohl nicht vorgestellt. Dabei hatten sie sich in einer Art Light-Version schon deutlich von der AMWF abgesetzt und sich darauf besonnen, dass Ärzte – auch aus Gründen der Therapiefreiheit – lieber selbst entscheiden. Daher wurde schon frühzeitig aus der AWMF-Aktion „Gemeinsam klug entscheiden“ das Wörtchen gemeinsam gestrichen und die Patientenbeteiligung auf eine Art Camouflage am Schluss der Entscheidungsfindung reduziert.

Dies war wohl dem Wissen geschuldet, dass Ärzte ihre Schuldigen lieber woanders suchen als bei sich selbst.

Dass dabei schon längst der Zeitplan für die Aktion durcheinander gerät und die DGIM mehr als nur Gefahr läuft, ins Hintertreffen zu geraten, zeigt sich anhand der Empfehlungen, die Kernstück der Aktion „Klug entscheiden“ sein sollten, die aber fragmentarisch und durchaus kontrovers noch immer nicht vollständig publiziert werden können. Anscheinend hat die DGIM und die ihr angeschlossenen Fachgesellschaften deutliche Konsensschwierigkeiten.

Dabei waren diese Schwierigkeiten durchaus vorauszusehen, denn bis heute funktionieren die ärztlichen Informationsstrukturen keineswegs perfekt anmutend. Experten rechnen mit einem „GAP“von mindestens 10 Jahren, bis medizinische Erkenntnisse weitgehend auch an der ärztlichen Basis bekannt werden. Da heißt keineswegs, dass sie dann auch flächendeckend schon angewandt werden.

In der neuen informationsdeterminierten Patientenwelt wird dies über kurz oder lang das eingefahrene Patienten-Arzt-Vertrauen wohl teilweise zum Abschmelzen bringen. Vor allem wegen der bisherigen durchaus kultivierten Intransparenz medizinischer Leistungen ist dieses Vertrauen noch ungewöhnlich hoch, ohne dass dies zwingend auch auf eine hohe Qualität der Leistungen schließen lassen könnte.

Das wird sich unter dem Einfluss zukünftig deutlich besserer Patienteninformationen sich ändern. In Zukunft werden die Ärztinnen und Ärzte Patientenvertrauen genießen, die auch informationell mit der Zeit gehen oder zumindest diesen Eindruck erwecken.

Es darf daher auch nicht wundern, dass „Klug entscheiden“ der DGIM nun stärker selbst in den eigenen Reihen kontrovers diskutiert wird und Sand ins Getriebe ärztlichen Entscheidens bringt.

Von diesen Schwierigkeiten werden am Ende Patientinnen und Patienten profitieren, jedenfalls dann, wenn sie sich selbst ihren  Erkrankungen einigermaßen auf dem Laufenden halten und der richtigen Ärztin oder dem richtigen Arzt  ihr informationsbasiertes Vertrauen schenken.

Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart will Vorreiter bei patientenorientierter Digitalisierung werden

Ungeachtet seines bereits bestehenden Standards in der eigenen Digitalisierung  wagt sich das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart gemeinsam mit der Telekom Healthcare Solutions an neue digitalisierte Vernetzungslösungen, die auch für die Patentinnen und Patienten vorteilhaft sind. Dies berichtet die Deutsche Ärztezeitung.

In den kommenden Jahren wird der Wettbewerb im Gesundheitswesen sich neu sortieren. Krankenhäuser, die die hohe Bedeutung der Digitalisierung frühzeitig erkennen und dabei trotzdem nicht übertreiben, werden dabei massiv im Vorteil sein, denn auch das Gesundheitswesen wird sich einer fortschreitenden Digitalisierung nicht entziehen können.

Durch die Digitalisierung im Gesundheitswesen können sich Kommunikationswege  beschleunigen lassen, Krankenhausaufenthalte verkürzen, auf das Wesentliche konzentrieren und patientenorientierter gestalten lassen. Überflüssige Doppeluntersuchungen können besser vermieden werden, Patienten mehr und transpatentere Informationen über ihren Gesundheitszustand und schnellere Feedbacks auch zur eigenen Therapietreue erhalten, wenn das gewünscht ist. Zusätzliche Herausforderungen zur bisher schon vorhanden Patientensicherheit werden in Form eines noch besseren Daten- und Richtigkeitsschutzes treten müssen.

Nicht nur die Krankenhäuser, auch die Patienten werden sich der Herausforderung der Digitalisierung stellen und auch stellen müssen, weil sie sich gar nicht entziehen können. Danut wird auch ein Mehr an Überwachung und Kontrolle optional möglich sein. „Big Data“ patientenorientiert zu gestalten, wird dabei eine der bis heute noch kaum vorstellbaren und bisher keineswegs gelösten Herausforderungen werden. Allein der schöne allgemeine Begriff des „Patientenwohls“ wird dabei nicht genügen.

Die frühe Beteiligung von Patientinnen und Patienten an der Ausgestaltung der Digitalisierung im Gesundheitswesen kann verhindern, dass die Digitalisierung in die falsche Richtung läuft. Ob eine solche – anscheinend in der Kooperation gewollte – Beteiligung wirklich in der Praxis möglich ist, oder wiederum den Patienten mehr oder weniger taugliche fertige Lösungen präsentiert werden, wird die auf mindestens fünf Jahre angelegte Kooperation in Stuttgart erst noch zeigen müssen. Die Konzepte dazu sind dafür jedenfalls noch gestaltbar.

Es wird an den beiden Kooperationspartnern liegen. ob sie die darin liegenden Chancen erkennen und wirklich nutzen oder ob sie die Chance, die in der patientenorientierten Digitalisierung liegen, verpassen und damit branchenfremden Konkurrenten überlassen.

Patienten haben besondere Bedürfnisse in der Digitalisierung im Gesundheitswesen, sind aber durchaus bereit, patientengerechte Digitalisierung als technischen und medizinischen Fortschritt zu akzeptieren und das dazu notwendige Maß an Verantwortung selbst zu übernehmen. Ob das Gesundheitswesen in der Praxis dazu die patientengerechten Lösungen finden wird, muss sich sich erst noch erweisen. Sicher ist das keineswegs.

Welche Vorstellungen die Kooperationspartner für ihren  eigenen Anspruch einer frühzeitigen Einbeziehung von Patientinnen und Patienten in angemessener Weise haben, muss erst noch weiter entwickelt werden.

Selbstverständlich berichten wir über das sehr frühzeitig bekannt gewordene Projekt und seine weiteren Fortschritte. Ein Scheitern des Projektes wäre für den Gesundheits- und Technologiestandort Stuttgart mehr als nur nachteilig.

So gesehen, muss die Kooperation ein Erfolg werden. Solche Chancen gibt es nicht viele und nicht zu häufig.

Auf weitere Medienmitteilungen zu diesem Projekt sind wir schon heute erwartungsvoll gespannt.