Was ist eigentlich ein Gesundheitssystem wert, das Jahr für Jahr mehr als 100.000 chronisch kranke Jugendliche der Gefahr einer Traumatisierung aussetzt?

Jahr für Jahr müssen mehr als 100.000 chronisch kranke Jugendliche in der gesetzlichen Krankenversicherung mit Vollendung ihres 18. Lebensjahres auf einen Schlag ihre gesamten Ärzte und Krankenhäuser von Pädiater zum Erwachsenenarzt wechseln und damit das bisher erworbene Vertrauen schlagartig kappen und völlig neu aufbauen.

Die negativen Folgen dieser einschneidenden Regelung sind bestens bekannt, werden aber nur völlig unzureichend punktuell durch einzelne Projekte zu ändern versucht.

Weil sie nicht mehr zu ihren Kinderärzten dürfen, brechen nicht wenige Jugendliche mit chronischen Erkrankungen ihre Therapie unvermittelt ab, obwohl sie weiterhin therapiebedürftig sind.

Über die Kosten dieser massiven Fehlsteuerung im Gesundheitswesen kann nur spekuliert werden. Es dürften insgesamt mehrere 100 Mio. € unnötiger zusätzlicher Mehrkosten sein, von den häufig schweren gesundheitlichen (Spät-)Folgen eines solchen Therapieabbruchs soll hier gar nicht geredet werden.

Ein Gesundheitssystem, das sich zu Lasten junger Menschen diese Fehlsteuerung leistet, entlarvt sich selbst.

Schuld sind die Handelnden: Politik, Gesundheitsministerium und Ärzteverbände.

Mitschuldigen sind all diejenigen, die dies scheinbar unbewegt zulassen, auch die Eltern und deren Verbände.

Zehntausende Patientenverfügungen und Patientenvollmachten ungültig?

Bundesgerichtsgerichtshof bringt es in einem Urteil an den Tag

Trügerische Sicherheit: Sind Ihre Patientenverfügung und ihre Patientenvollmacht überhaupt wirksam?

Sie schlummern üblicherweise in einer Notfallmappe im Wohnzimmerschrank, mehr oder weniger griffbereit. Und viele zehntausende Menschen vertrauen auf sie in der Hoffnung, sie nie wirklich brauchen zu können. Denn mit der eigenen Krankheit oder dem eigenen Lebensende befasst sich eigentlich niemand so richtig gerne.

Rasch mal aus dem internet heruntergeladen, den eigenen Namen eingesetzt und unterschrieben. Und dann möglichst schnell wieder weggelegt. Das war die vielfach gelebte Praxis seit Anfang der 90er Jahre des vergangenen 20. Jahrhunderts.

Dieser Praxis hat nun der Bundesgerichtshof (hier) mit einer Entscheidung ein jähes Ende und eine klare Absage bereitet. Solche unreflektierten vorformulierten Patientenverfügungen und Patientenvollmachten sind an wichtigen Stellen unwirksam.

Es wird nun geraten, alle Patientenverfügungen und Patientenvollmachten (Vorsorgevollmachten) durch einen wirklich kompetenten und entsprechend ausgewiesenen Fachmann zu überprüfen und ggf. neu formulieren zu lassen. Wie gerade der entschiedene Fall zeigt, gilt dies auch für notarielle Vollmachten, die oftmals gerade an entscheidenden Stellen zu unbestimmt formuliert sind.

Nur dann können Patienten sicher sein, im Falle einer schweren Erkrankung alles Notwendige getan zu haben.

Es ist zu erwarten, dass sich gerade Mediziner aus unterschiedlichen Gründen rasch auf diese Unwirksamkeit berufen werden, denn das urteil wird in der Fachpresse schon entsprechend publik gemacht (hier)

Es wird nicht wenige Ärzte geben, die in Zukunft zunächst ihren (Krankenhaus-)Juristen fragen werden, ob sie diese Patientenverfügung überhaupt anwenden dürfen oder sie vielleicht anwenden müssen.

Brand im Krankenhaus oder im Altenheim: Haben Sie schon nach Ihrem Evakuierungsplan und nach der letzten Brandschutzübung gefragt?

Sie sind gar nicht so selten, die Brände im Altenheim oder im Krankenhaus. Brandschutzunterweisungen müssten daher Teil jedes Aufnahmegesprächs sein und bei längeren Aufenthalten auch regelmäßig einmal im Monat wiederholt werden,

Unabdingbare Voraussetzung ist dafür ist natürlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses und des Altenheims wissen, was im Brandfall zu tun ist und dies regelmäßig auch geschult wird.

Dies zu überprüfen, ist eine der wirklich wichtigen Aufgaben der Heimaufsicht und der  Krankenhausaufsicht, oder sollte dies zu zumindest sein. Aber wahrscheinlich muss erst das eine oder andere Strafverfahren wegen Verletzung der Aufsichtspflicht durchgeführt worden sein, bis manche Behörden diese Aufsichtspflicht ernst nehmen. Solche Strafverfahren haben in der Regel weit über den Einzelfall hinausgehende Fernwirkungen, wie die Ermittlungen gegen Jugendamtsmitarbeiter zeigen.

Chaos bei Brandausbruch ist nichts Ungewöhnliches. Aber das Chaos kann entscheidend verkürzt werden, wenn alle Beteiligten auf ihre Aufgabe im Brandfall rechtzeitig vorbereitet sind.

Rechtszeitige Vorbereitung rettet Leben. Für diese Vorbereitung müssen Altenheime und Krankenhäuser sowie und ihre Aufsichts- und Brandschutzbehörden rechtzeitig Sorge tragen und ihre Notfallpläne ständig auf dem Laufenden halten. Wo dies nicht erfolgt ist, sollten Staatsanwaltschaften regelmäßig Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung prüfen.

Patientenportale – häufig hilfreich bei der Qualitätseinstufung

10 Tipps im Umgang mit Patienten-Bewertungsportalen

  • Patientenportale sind umso besser, je mehr Bewertungen enthalten sind. Weniger als 10 Bewertungen sind nicht repräsentativ
  • Bewertungen, die älter als drei Jahre sind, spiegeln allenfalls einen groben Trend wider und sollten weniger Berücksichtigung finden
  • Bei Kliniken ganz ohne Bewertungen vorsichtig sein. Dies kann an der aktiven Abwehr häufiger schlechter Bewertungen liegen.
  • Klinikbewertungen in hoher Zahl (über 100) taugen als erste grobe Qualitätsorientierung
  • Für die ärztliche Qualität immer auf die spezielle Fachabteilung fokussieren und die Bewertungen entsprechend filtern.
  • Emotionale negative Bewertungen sind allenfalls Hinweise auf Mängel, aber meist nicht ausschlaggebend für ein Qualitätsurteil.
  • Klinikweite Pflege- und Verwaltungsqualität sind häufig reale Qualitätsabbildungen
  • Die meisten Einträge in Patientenportalen sind ohnehin positive Einträge
  • Undifferenzierte Einser-Bewertungen sind häufiger keine echten Patientenbewertungen sondern in hohem Maße ärztlich induziert. Derzeit kann (noch) Detaildifferenzierung die Spreu vom Weizen trennen.
  • Patienten-Zufriedenheitsbefragungen sind häufig noch wenig aussagekräftig.

Vom Gottesurteil zur Versorgungsqualität

Der ärztliche Qualitätsbegriff im Wandel der Zeiten

Die medizinische Wissenschaft ist eine jahrtausendealte Erfahrungswissenschaft, die sich über die Jahre hinweg massiv gewandelt hat. Mit ihren Veränderungen ist im Laufe der Zeit auch der Qualitätsbegriff ein anderer geworden.

Dass dies kein kontinuierlicher Wandel war, zeigt schon die Findung neuer Begriffe für das noch in der Wandlung befindliche Qualitätsverständnis.

„Patienten haben sich nicht über ärztliche Qualität zu äußern,“ befand noch der Leiter einer gro0en deutschen Universitätsklinik vor einigen Jahren. Und er hatte – auch seiner Sicht — vielleicht sogar nicht einmal unrecht. Nicht selten begann medizinischer Fortschritt in den Anfängen letal nach dem Motto „Trail and error“. Patienten wurden als Fallzahlen gemessen, das „Outcome“ des „Patientenguts“ zeigte die nur mäßig vorhandene Empathie. Und teilweise soll das heute ja auch noch so sein.

Da war es an der Zeit, einen neuen Interimsbegriff zu finden: die „Versorgungsforschung“, der Begriff ist neu. So neu, dass vor drei Jahren eine soeben frisch approbierte Medizinern noch in aller Unschuld fragen konnte: „Versorgungsforschung, was ist das?“

Kein Zweifel, es wird noch einige Zeit dauern, bis unter medizinischer Qualität nur noch Versorgungsqualität verstanden wird. Das Motto „Operation gelungen, Patient tot“, hatte zu lange in den vorigen Jahrhunderten die Maßstäbe für medizinische Helden gesetzt. Dabei galten als medizinische Helden nicht etwa die armen verstorbenen Patienten sondern diejenigen Ärzte, die das Leben ihres Patienten mit ungewissem Ausgang auf’s Spiel setzten.

8wird fortgesetzt)

Selbst bei der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) rückt der Patient jetzt stärker in den Mittelpunkt

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch langsam wird eine stärkere Patientenorientierung zum Megatrend.  Megatrends haben den Vorteil, dass diejenigen, die sich ihnen entziehen wollen, nicht unbedingt als zukunftsorientiert gelten.

Manche medizinische Fachgesellschaft tat sich in den letzten Jahren nicht leicht, den Patienten im Mittelpunkt zu sehen. Auch für die DGIM stand mehr die Medizin als der Patient im Zentrum ihres Bemühens. Patienten durften sich eher als Sünder fühlen, wenn es darum ging, ärztliche Fehlentwicklungen zu erklären und zu entschuldigen. Sicher haben medizinische Fachgesellschaften auch nicht die Aufgabe, übermäßige Schuldzuweisungen zu Lasten ihrer Mitglieder vorzunehmen. Und die Patienten als schwächstes Glied in der Gesundheitsversorgung nahmen oftmals diese Schuldzuweisung notgedrungen hin, denn sie brauchten ja ihre Ärzte.

Dass das Weltbild der DGIM in den vergangenen Monaten zunehmend Risse bekommen hatte, merkte selbst der eine oder andere Verbandsobere. So zum Beispiel, wenn die Medien gebeten wurden, doch nicht so negativ zu berichten. Dennoch tat sich die DGIM – möglicherweise auch aufgrund ihrer langen Tradition – schwer, die Zeichen der Zeit als unausweichlich zu akzeptieren und Patienten als Partner wirklich wahrzunehmen.

Der jetzt vollzogene Wechsel in der Führung der DGIM bietet die Chance zum Neuanfang bei der Patientenorientierung des Verbandes. Der Göttinger Kardiologe Prof. Dr.  Gerd Hsenfuß übergibt sein Amt als Vorsitzender der DGIM nun an die Münchner Diabetologin Prof. Dr. Petra Schumm, die bis in den Frühsommer 2017 die DGIM führen wird.  Als ausgewiesene Spezialistin für durch Diabetes hervorgerufene Chronische Wunden hat sie alle Chancen, die bisher nicht immer optimale Patientenorientierung der DGIM zu verbessern und zu einem Markenzeichen des Verbandes zu machen.

Dazu hat die neue Vorsitzende Petra Schumm ein Jahr Zeit, die DGIM anforderungsgerecht neu auszurichten und Fehlentwicklungen der Vergangenheit in dieser von hoher Kontinuität geprägten zu beenden.

 

Auch Ärzte tun sich schwer mit „Klug entscheiden!“, der neuen Aktion der DGIM

So schwierig hatten es sich die Verantwortlichen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ihre Aktion im Rahmen ihres Dachverbandes AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften) wohl nicht vorgestellt. Dabei hatten sie sich in einer Art Light-Version schon deutlich von der AMWF abgesetzt und sich darauf besonnen, dass Ärzte – auch aus Gründen der Therapiefreiheit – lieber selbst entscheiden. Daher wurde schon frühzeitig aus der AWMF-Aktion „Gemeinsam klug entscheiden“ das Wörtchen gemeinsam gestrichen und die Patientenbeteiligung auf eine Art Camouflage am Schluss der Entscheidungsfindung reduziert.

Dies war wohl dem Wissen geschuldet, dass Ärzte ihre Schuldigen lieber woanders suchen als bei sich selbst.

Dass dabei schon längst der Zeitplan für die Aktion durcheinander gerät und die DGIM mehr als nur Gefahr läuft, ins Hintertreffen zu geraten, zeigt sich anhand der Empfehlungen, die Kernstück der Aktion „Klug entscheiden“ sein sollten, die aber fragmentarisch und durchaus kontrovers noch immer nicht vollständig publiziert werden können. Anscheinend hat die DGIM und die ihr angeschlossenen Fachgesellschaften deutliche Konsensschwierigkeiten.

Dabei waren diese Schwierigkeiten durchaus vorauszusehen, denn bis heute funktionieren die ärztlichen Informationsstrukturen keineswegs perfekt anmutend. Experten rechnen mit einem „GAP“von mindestens 10 Jahren, bis medizinische Erkenntnisse weitgehend auch an der ärztlichen Basis bekannt werden. Da heißt keineswegs, dass sie dann auch flächendeckend schon angewandt werden.

In der neuen informationsdeterminierten Patientenwelt wird dies über kurz oder lang das eingefahrene Patienten-Arzt-Vertrauen wohl teilweise zum Abschmelzen bringen. Vor allem wegen der bisherigen durchaus kultivierten Intransparenz medizinischer Leistungen ist dieses Vertrauen noch ungewöhnlich hoch, ohne dass dies zwingend auch auf eine hohe Qualität der Leistungen schließen lassen könnte.

Das wird sich unter dem Einfluss zukünftig deutlich besserer Patienteninformationen sich ändern. In Zukunft werden die Ärztinnen und Ärzte Patientenvertrauen genießen, die auch informationell mit der Zeit gehen oder zumindest diesen Eindruck erwecken.

Es darf daher auch nicht wundern, dass „Klug entscheiden“ der DGIM nun stärker selbst in den eigenen Reihen kontrovers diskutiert wird und Sand ins Getriebe ärztlichen Entscheidens bringt.

Von diesen Schwierigkeiten werden am Ende Patientinnen und Patienten profitieren, jedenfalls dann, wenn sie sich selbst ihren  Erkrankungen einigermaßen auf dem Laufenden halten und der richtigen Ärztin oder dem richtigen Arzt  ihr informationsbasiertes Vertrauen schenken.

Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart will Vorreiter bei patientenorientierter Digitalisierung werden

Ungeachtet seines bereits bestehenden Standards in der eigenen Digitalisierung  wagt sich das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart gemeinsam mit der Telekom Healthcare Solutions an neue digitalisierte Vernetzungslösungen, die auch für die Patentinnen und Patienten vorteilhaft sind. Dies berichtet die Deutsche Ärztezeitung.

In den kommenden Jahren wird der Wettbewerb im Gesundheitswesen sich neu sortieren. Krankenhäuser, die die hohe Bedeutung der Digitalisierung frühzeitig erkennen und dabei trotzdem nicht übertreiben, werden dabei massiv im Vorteil sein, denn auch das Gesundheitswesen wird sich einer fortschreitenden Digitalisierung nicht entziehen können.

Durch die Digitalisierung im Gesundheitswesen können sich Kommunikationswege  beschleunigen lassen, Krankenhausaufenthalte verkürzen, auf das Wesentliche konzentrieren und patientenorientierter gestalten lassen. Überflüssige Doppeluntersuchungen können besser vermieden werden, Patienten mehr und transpatentere Informationen über ihren Gesundheitszustand und schnellere Feedbacks auch zur eigenen Therapietreue erhalten, wenn das gewünscht ist. Zusätzliche Herausforderungen zur bisher schon vorhanden Patientensicherheit werden in Form eines noch besseren Daten- und Richtigkeitsschutzes treten müssen.

Nicht nur die Krankenhäuser, auch die Patienten werden sich der Herausforderung der Digitalisierung stellen und auch stellen müssen, weil sie sich gar nicht entziehen können. Danut wird auch ein Mehr an Überwachung und Kontrolle optional möglich sein. „Big Data“ patientenorientiert zu gestalten, wird dabei eine der bis heute noch kaum vorstellbaren und bisher keineswegs gelösten Herausforderungen werden. Allein der schöne allgemeine Begriff des „Patientenwohls“ wird dabei nicht genügen.

Die frühe Beteiligung von Patientinnen und Patienten an der Ausgestaltung der Digitalisierung im Gesundheitswesen kann verhindern, dass die Digitalisierung in die falsche Richtung läuft. Ob eine solche – anscheinend in der Kooperation gewollte – Beteiligung wirklich in der Praxis möglich ist, oder wiederum den Patienten mehr oder weniger taugliche fertige Lösungen präsentiert werden, wird die auf mindestens fünf Jahre angelegte Kooperation in Stuttgart erst noch zeigen müssen. Die Konzepte dazu sind dafür jedenfalls noch gestaltbar.

Es wird an den beiden Kooperationspartnern liegen. ob sie die darin liegenden Chancen erkennen und wirklich nutzen oder ob sie die Chance, die in der patientenorientierten Digitalisierung liegen, verpassen und damit branchenfremden Konkurrenten überlassen.

Patienten haben besondere Bedürfnisse in der Digitalisierung im Gesundheitswesen, sind aber durchaus bereit, patientengerechte Digitalisierung als technischen und medizinischen Fortschritt zu akzeptieren und das dazu notwendige Maß an Verantwortung selbst zu übernehmen. Ob das Gesundheitswesen in der Praxis dazu die patientengerechten Lösungen finden wird, muss sich sich erst noch erweisen. Sicher ist das keineswegs.

Welche Vorstellungen die Kooperationspartner für ihren  eigenen Anspruch einer frühzeitigen Einbeziehung von Patientinnen und Patienten in angemessener Weise haben, muss erst noch weiter entwickelt werden.

Selbstverständlich berichten wir über das sehr frühzeitig bekannt gewordene Projekt und seine weiteren Fortschritte. Ein Scheitern des Projektes wäre für den Gesundheits- und Technologiestandort Stuttgart mehr als nur nachteilig.

So gesehen, muss die Kooperation ein Erfolg werden. Solche Chancen gibt es nicht viele und nicht zu häufig.

Auf weitere Medienmitteilungen zu diesem Projekt sind wir schon heute erwartungsvoll gespannt.

Patientenwohl: Ethikrat navigiert sich systemkonform durch

Sehr zur Freude aller Wahrzunehmenden im Gesundheitswesen hat sich der Ethikrat mit seiner Stellungnahme zum Patientenwohl erstaunlich systemkonform verhalten  und nur kleinere, fast nicht wahrnehmbare und daher besonders akzeptable Veränderungen am Gesundheitssystem gefordert. Ähnlich wie schon bei der Organspende war auch hier nur ein Konsens auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner möglich.

Bei der mehr als 150 Seiten umfassenden Stellungnahme des Ethikrates fällt schnell das ehrliche Bemühen auf, aus Gründen der Akzeptanz, wenigstens dieses Mal nicht in alle ethischen Fettnäpfchen zu treten.

Und so findet die Stellungnahme des Ethikrats zur Lage der Krankenhäuser allgemein Beifall – selbst bei Patienten und deren -verbänden. Nur die Deutsche Krankenhausgesellschaft musste – durchaus aufgabenkonform eine Gegenposition vertreten. Auch das nicht unerwartet und wie immer sehr gekonnt.

Die Analyse des Ethikrates zur Patientenorientierung in Krankenhäuser ist zunächst vernichtend, denn der Ethikrat kommt zu dem klaren Ergebnis, dass die notwendige Ausrichtung am Patientenwohl als „Leitfigur“ bisher nicht gelungen ist. Punkt.

Die folgendee Strategieempfehlung des Ethikrates zeichnet sich allerdings denn nicht gerade durch Substanzreichtum aus, sondern flüchtet sich in möglichst großen Detailreichtum. Ethische Leitlinien sind nur sehr schwer zu erkennen. Da ein nicht unbeachtlicher Teil des Ethikrates sich mit dem Gesundheitswesen mehr oder weniger identifiziert, war dies wohl auch die Grenze der Selbsterkenntnis.

Dem ethischen Anspruch an sich selbst, hat der Ethikrat in der Stellungnahme voll genügt. Er postuliert vorab, die ethische Dimension des Patientenwohls, wie der Ethikrat das Patientenwohl verstanden haben will. Dies konnte nur dadurch gelingen, dass der Ethikrat den Begriff des Patientenwohls neu in seinem Sinne definierte.

dabei war sich der Ethikrat dieses Kunstgriffs durchaus bewusst, das zeigt schon die geradezu inflationär anmutende Verwendung des Begriffs „Patientenwohl“ an 72 Stellen in seinem Papier. Um die ethische Verbindlichkeit der neuen Dimension des Patientenwohls erkennen zu lassen, scheut der Ethikrat keinen Begründungsaufwand bei der Objektivierung des von ihm wahrgenommenen Patientenwohls unter ethischen Aspekten, möglichst unter Loslösung vom Patienten. Gerade durch den Kunstgriff der Loslösung vom Patienten und seiner Lebenssituation wird die Überhöhung des und vermeintliche Objektivierung des Patientenwohls deutlich. Es hat den Anschein, als ob der Deutsche Ethikrat durchaus Patienten eher als behandlungsbedürfte Objekte des Gesundheitswesens als selbstständig handelnde Individuen wahrnimmt.

Bei diesem im Gesundheitswesen eher heute noch üblichen systemkonformen Ansatz des Ethikrates minimalisierten sich seine Empfehlungen quasi automatisch auf die Wiederholung eher floskelhafter Normalitäten, die allerdings heute noch keineswegs selbstverständlich sind (z. B. Barrierefreiheit in Krankenhäusern, interkulturelles Sprachverständnis der behandelnden Ärzte u. a.).

Daher ist es nur konsequent, dass die Empfehlungen des Ethikrates dieses Mal keine systemkritischen Vorschläge enthalten, die ohnehin nicht zur Kenntnis genommen würden. Reflexionen des Ethikrates zum Umfang der Patientenbeteiligung, zur Patientenautonomie zeigen daher mehr die fremdbestimmte Sorge  als die Hilfe zur Selbsthilfe. Angesichts dieser begrenzten Betrachtungsweise muss der Ethikrat allerdings die vermeintliche Zeitlosigkeit seiner Empfehlungen in Frage stellen lassen. Die Medienreaktionen auf diese Stellungnahme des Ethikrates neigten daher auch eher gepflegtem Unverständnis zu. Die häufige Verwendung der Formulierung „Bundestag und Selbstverwaltung sollten sicherstellen…“) zeigt eher kritiklose Gleichstellung von eigentlich Unvergleichlichem.

Andere Themen, wie z. B. die Neudefinition einer möglichen „modifizierten patientenzentrierten Selbstverwaltung“ im Gegensatz zur vorhandenen „Selbstverwaltung der Diensteerbinger“ wurden nicht einmal ansatzweise thematisiert.  Statt dessen wird der klassische Begriff der Selbstverwaltung ohne den aktiv gestaltenden Patienten als gegeben übernommen und ausführlich als gegeben erläutert, ohne die inzwischen häufiger empfundene Unzulänglichkeit der Selbstverwaltung als systemkritisch zu thematisieren. Hier geriet der Ethikrat offensichtlich an seine Grenzen.

Deutlich wahrnehmbar definierte der Ethikrat den Begriff des Patientenwohls ethisch neu und löste ihn dabei – durchaus systemkonform – von den Patienten. Er destillierte aus dem Begriff „Patientenwohl“ den Teil heraus, der  systemkonform gerade noch vertretbar hingenommen werden kann, und bezeichnete diesen Teil durchaus generalisierend als „Patientenwohl im vom Ethikrat verstandenen Sinne“.

(wird fortgesetzt)

Patientensteuerung – richtig verstanden

Schon heute leiden Patienten unter falsch verstandener Patientensteuerung durch manche Ärzte. Es soll durch wirklich Ärztinnen und Ärzte geben, die ihre Patienten völlig unnötigerweise im nächsten (und vielleicht auch im übernächsten) Quartal nochmals einbestellen, um sich die Fallpausche der Folgequartale zu sichern; diese Patienten werden im Fachjargon „Durchlauferhitzer“ genannt.

Patienten sind viel steuerungsempfänglicher, aber auch steuerungsempfindlicher als es manche Ärzteorganisationen wahrnehmen wollen. Bei der gegenwärtig noch vorhandenen Patienten-Arzt-Zufriedenheit von ca. 93 % können Ärzte ihre Patienten sicher besser steuern als Patienten ihre Ärzte.

Dennoch scheint der Ruf der Patienten bei ihren Ärzten schlecht zu sein. Sieht man sich die entsprechenden Umfragen von Ärzteorganisationen an, sind Patienten oftmals selbst schuld,. Sie sind, wie jüngste Umfragen ergeben haben, häufig selbst dann schuld, wenn Ärzte einen Fehler machen.

Ärztebewertungsprotale, wie z. B. das in Ärztekreisen viel geschmähte in Wirklichkeit durchaus niveaureiche Bewertungsportal „Jameda“, trennen, wenn sie gut sind, die Spreu vom Weizen, auch unter den Ärztinnen und Ärzten. Selbst in Fachkreisen heißt es heute schon: „Such doch auf Jameda!“, allerdings nur hinter verborgener Hand leise flüsternd, damit niemand mithört. Offensive Ärzte schmücken heute schon die Rückseite ihrer Visitenkarten mit dem Aufdruck:

Wenn Sie mit mir zufrieden waren, bewerten Sie mich auf Jameda„.

Deutlich weniger Ärzte haben allerdings den Mut, in deutlich kleinerer Schrift hinzuzufügen:

„… und wenn Sie mit mir nicht zufrieden waren, sagen Sie es mir.“

Und nicht wenige Patientinnen und Patienten scheinen der ersten Aufforderung auch zu folgen, denn sie bewerten ihren Arzt oder ihre Ärzten durchschnittlich mit der Schulnote 1,8. Patienten, die solche Schulnoten vergeben, lassen sich sicher auch sonst durch ihre Ärztinnen und Ärzte steuern, das sind sie – auch nach Patientenverständnis – ihren Ärzten „schuldig“.

Die wirklich intelligente Patientensteuerung durch Ärztinnen und Ärzte gibt es schon lange Zeit. Gute Ärzte haben mehr Patienten und deshalb weniger freie Termine. Jedenfalls dann, wenn sie ihre Patienten intelligent steuern.

Die intelligente Patientensteuerung vermeidet vor allem zunächst unnötige Termine, denn diese schaden nur dem Patienten, dem sie nutzlos aufgewandte Zeit kosten, und bringen dem Arzt nur manchmal zusätzliches Honorar ohne eigene Leistung. Und nur die wenigsten Ärzte stellt das Honorar als Äquivalent für gefühlte Nutzlosigkeit wirklich zufrieden.

Natürlich müssen Ärzte ihre Tätigkeit – soweit dies noch möglich ist – auch Honorarmäßig optimieren. Budgetorientierte Patientensteuerung ist keine wirklich patientenzentrierte Patientensteuerung, schon gar nicht bei nur 10% Privatpatienten.

Nur wenige Ärzte können und wollen es sich leisten, auf Patienten aus der Gesetzlichen Krankenversicherung zu verzichten. Manche Ärzte, die sich für ausgezeichnet halten (und sich dies auch leisten können wollen) geben daher ihre Kassenzulassung zurück und behandeln nur die deutlich lukrativeren Privatpatienten und Selbstzahler. – Eine Art Patientensteuerung, die selektiert und nur in schlechten Gesundheitssystemen wirklich funktioniert. Fas deutsche Gesundheitssystem hat zumindest einen besseren Ruf. Es gilt als leicht überdurchschnittlich aber dafür (zu) teuer.

Selbst bei Privatpatienten machen sich manche (Chef-)Ärzte rar, nicht selbst an der jeweils geltenden Honorarordnung vorbei. Erfahrene Privatpatienten wissen das zu schätzen, denn nicht immer ist der Chefarzt besser als der in den Patientenkontakt entsandte besonders bevollmächtigte Oberarzt oder (unzulässigerweise) ermächtigte Facharzt.

Gute Praxen niedergelassener Fach- oder Hausärzte steuern nach der Notwendigkeit ihrer Inanspruchnahme nach dem Prinzip: „Die Kränksten zuerst!“ und lassen auch die entsprechende Not- und Reservekapazität bei der Terminvergabe. Qualifiziertes Praxispersonal hat meist unterscheiden gelernt, dass ein Blutzucker von 300 nicht nur erhöht sondern drängend behandlungsbedürftiger ist als ein Blutzucker von 140.

Selbst in der Praxis von Diabetologen soll heute noch manchmal die Erst-Terminvergabe in mehreren Monaten angeboten werden, anstatt die sofortige notwendige Behandlung durch einen anderen Arzt zu empfehlen. „Klug entscheiden“ sollten nicht nur die Ärzte, wie dies die Deutsche Gesellschaft für innere Medizin propagiert, sondern auch das bestens geschulte nichtmedizinische Praxisteam.

Ärztebewertungsportale werden sich weiterentwickeln und bald nicht n ur die Schnelligkeit der Terminvergabe sondern auch die Intelligenz der Terminvergabe und der Bestellpraxis bewerten lassen und so auch ihren Beitrag dazu leisten, dass Patientinnen und Patienten an den für sie „richtigen“ Arzt geraten.

Ärzte haben es selbst in der Hand, ob sie durch intelligente Patientensteuerung ihre Kapazitäten sinnvoll und zur eigenen Zufriedenheit nutzen.

Allerdings sind gerichtliche Auseinandersetzungen mit Patientenbewertungsportalen über angeblich falsche Patientenurteile nicht unbedingt ein Mittel intelligenter Patientensteuerung.

Zusatz:

Einer der nächsten Beiträge wird das Thema

Tipps zur Ärztesteuerung –

wie Patienten ihre Ärzte steuern und Optimieren.

behandeln.