Bröcckelndes Klinikvertrauen ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Noch bis Ende September 2016 galt es als Glanzlicht unter der Deutschlands Universitätskliniken.  Noch bezeichnet sich das UKE als eine der führenden Kliniken Europas.

Gehen Nutzer auf die Homepage des UKE werden sie rasch eines Besseren belehrt. Erst die vierte Pressemitteilung befasst sich mit Patienten und deren Bedürfnissen. Auch wenn auf der oberen Leiste zunächst durchaus die übliche Rubrik „Patienten und Besucher stehen“ scheinen Patienten nicht die oberste Priorität zu haben, Wissen und Forschen ist offensichtlich prioritär, was ja nicht schlecht sein muss.

Patientenorientierung scheint am UKE so eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass sie nicht elektiv hervorgehoben werden braucht.

Den Eindruck einer der führenden Kliniken Europas wird schon auf der Homepage jäh gestört (Stand: 01.12.2016). Unter auf der Homepage sind prioritär hervorgehoben zwei Meldungen wahrzunehmen, die eigentlich in die Rubrik „Das Klinikum wehrt sich“ gehörten.

Sogenannte Erstnutzer der Website erhalten damit gleich einen nicht gerade positiven Eindruck vom UKE, wenn sie sich einen Eindruck vom UKE verschaffen wollen. Und das Schlimmste: Dieser Ersteindruck bleibt haften. Und das betrifft nicht nur Patienten und Wissenschaftler, sondern auch Zuweiser des internationalen Geschäfts, auch die sogenannten Patientenvermittler. Dabei ist entgeltliche Patientenvermittlung in Deutschland verboten – eigentlich.

Insgesamt vier Auffälligkeiten in drei Monaten, das ist selbst für ein großes und modernes Universitätsklinikum, mit fast 10.000 Mitarbeitern der viertgrößte Arbeitgeber Hamburgs zu viel, auch wenn die Auffälligkeiten scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Da werden nicht nur Auffälligkeiten aus den Jahren 2010 bis 2012 bei den Lungentransplantationen bekannt (1), bis heute teilweise anhaltende erhebliche Schwächen in der IT-Unterstützung offenbart (2), Krisenmanagement nicht medial umgesetzt (3), da kann auch ein nur dem Lehrkörper angehörender Privatdozent anscheinend so frei in der Klinik schalten und walten, dass ihm sogar wegen eines Vorfalls „Hausverbot“ erteilt werden muss und dies zu allem Überfluss auch noch kommuniziert wird (4).

Dabei konnte der Vorsitzende des Vorstands und Ärztliche Direktor schon in München Erfahrungen mit dem Krisenmanagement sammeln und hätte es eigentlich besser können müssen. Vier Auffälligkeiten in drei Monaten sind einfach zu viel. Da hilft auch die sonst so bewährte Strategie, erst mal auf den Abschluss der oft jahrelang dauernden staatsanwaltlichen Ermittlungen zu warten, nicht mehr, denn der Eindruck der Hilflosigkeit bleibt.

Wird der Aufbruch zur Bauchlandung?

Dabei hatte der damals vom Münchner Großklinikum Großhadern kommende heutige Vorstand des UKE 2014 doch einen „Aufbruch“ versprochen, der sich auch in den Bilanzen bisher widerspiegelte. Prof. Dr. Göke hat viel für den Ruf des Universitätsklinikums und sich in den letzten zweieinhalb Jahren große Verdienste erworben.

Doch nun häufen sich die gefühlten Auffälligkeiten. Und noch schlimmer, sie können weitgehend nicht als jahrelang zurückliegende Einzelfälle darstellt werden, sondern es zeigen sich deutliche organisatorische und vor allem mediale Schwächen.

So ist bis heute auf der Internetseite des Klinikums nicht zu finden, dass als Reaktion auf die Vorwürfe alle Lungentransplantationen 2010 bis 2015 durch eine unabhängige Expertenkommission überprüft werden sollen. Das dabei nur positivere Ergebnisse als bislang veröffentlicht erwartet werden wollen, liegt dabei auf der Hand. Andere Universitätskliniken haben mit solchen Kommissionen nicht die besten Erfahrungen gesammelt, wie das Beispiel der Universitätsklinik Mannheim zeigt.

Zunächst gehen die Patienten

Wie die Beispiele in München und Mannheim, aber auch an anderen Kliniken zeigen, sind in Räumen mit einer großen Klinikdichte Patienten sehr volatil, soweit es sich um planbare Behandlungen handelt. Gerne nehmen Patienten – je nach Schwere der Erkrankung – dann auch einen längeren Weg in Kauf. Hier liegen auch bei den Universitätskliniken belastbare Alternativen in Hannover und Kiel/Lübeck quasi in Reichweite, unterhalb der Universitätskliniken gibt es in Hamburg selbst reichhaltige Alternativen mit bisher untadeligem Ruf.

Vertrauensstabilisierende Maßnahmen müssen Veränderung zeigen

Wenn die Gesundheitsverwaltung und der Aufsichtsrat nicht rasch fühlbare Konsequenzen aus den Vorfällen ziehen und die erkannten Strukturschwächen beseitigen lassen bzw. selbst beseitigen, werden die Patienten schweigend die Konsequenzen ziehen und einfach das Krankenhaus wechseln.

Wir wissen aus Erfahrung, dass ein solcher Wechsel aus enttäuschtem Klinikvertrauen lange Zeit Bestand halt.

Das hat das UKE nicht verdient – jedenfalls noch nicht.

Update: Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf will wegen Urkundenfälschung nun Strafanzeige erstatten. Die Unterschrift des Direktors der HNO-Klinik untere das Bestätigungsschreiben zur Operation des syrischen Flüchtlings soll falsch sein. Dies wird von den Anwälten des Privatdozenten bestritten. (hier).

Wirklich professionell sieht das inkriminierte Schreiben in der Tat jedenfalls bei der Zweitunterschrift des Klinikdirektors nun wirklich nicht aus. Dennoch mutet die jetzige Strafanzeige als Strategie der Vorwärtsverteidigung an.

Stärkere Digitalisierung nun auch am Universitätsklinikum Heidelberg

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eine der grö0ten Universitätskliniken Deutschlands. mit 2015 fast 700 Mio. Umsatz, mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Konzern und einem Bilanzgewinn von immerhin mehr als 7 Mio. €.

Lange Zeit schien sich das Universitätsklinikum Heidelberg in besonderer Weise auf den Patienten 1.0 mit dem Merkmal „internet-avers“ beschränken zu wollen.  Auch die Internet-Auftritte der einzelnen Kliniken und Zentren vermittelten teilweise diesen Eindruck. Da schienen es bisher durchaus folgerichtig einzelne Bereiche gar nicht nötig zu haben, sich der medialen Veränderung und der Modernisierung zu öffnen. Die lange Tradition des Universitätsklinikums Heidelberg  tat ein Übriges, um zu schnelle Modernisierungsschritte zu entsagen.

Diese Zeiten sind nun wohl unwiederbringlich vorbei Mit einem Modernisierungssprung, der seinesgleichen sucht, hat das Universitätsklinikum Heidelberg nun endlich den Anschluss an die Moderne gesucht und wenigstens teilweise gefunden.

Einsame Spitze sind die fast schon futuristisch wirkenden Internet-Seiten des Nierenzentrums Heidelberg,  die auch für Patientinnen und Patienten wenig Wünsche offenlassen. Hier wurde jedenfalls konsequent versucht, einen tragfähigen Kompromiss zwischen den vorgegebenen Beschränkungen des Mediums Internet und der sicher erklärungsbedürftigen Dienstleistung „Innere Medizin“ zu finden. Dies ist jedenfalls teilweise gelungen, auch wenn die Gestaltung des Webauftritts des Nierenzentrums noch nicht abgeschlossen sein dürfte. Verbesserungswürdig und verbesserungsbedürftig ist sicherlich der Patientenzugang, bei dem die Patientenperspektive stärker Einzug halten müsste.

Lobenswert ist, dass sich das Nierenzentrum Heidelberg nicht auf formale Informationen beschränkt, sondern wenigstens teilweise auch patientenorientierte inhaltliche Informationen zum Download bereithält.

Sicher noch ausbaufähig ist die Suchfunktion. Patientenzufriedenheit, Patientenorientierung und selbst das eher antiquiert anmutende Wort Patientenwohl scheinen für die Suchfunktion noch eher Fremdworte zu sein. Sie waren jedenfalls über die Suchfunktion nicht zu finden.

Auch das Transplantationszentrum Heidelberg hat seinen Internetseiten ein neues Outfit verpasst. Inhalte ändern sich da aber wohl erst in der Zukunft, die Statistiken haben noch den Stand von 2014, Qualitätszahlen werden nicht kommuniziert. Nur die Darstellung der Mitarbeiter wurde grundlegend modernisiert. Dies war auch dringend notwendig und macht auch hier einen eher oberflächlichen Charakter der Inkonsistenz.

Noch scheint die Internetpräsenz des Transplantationszentrums Heidelberg am Anfang einer längeren Lernkurve zu stehen. Aber die ersten Schritte in Richtung stärkerer Digitaisierung und besserer Information sind getan.

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt beachtliche 48-Stunden-Lernkurve – Nachhaltigkeit noch offen

Das massiv in der Kritik stehende Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt in seinem kommunizierten Verhalten eine massive Kehrwende, wohl nicht ganz ohne Druck von außen.

Hatte der renommierte Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Burghard Göke am Montag in der BILD-Zeitung noch zu viel unberechtigten Konkurrenzneid als eine der Ursachen der Manipulationsvorwürfe im Transplantationszentrum gemutmaßt, geht das Universitätklinikum nun auf strikten Gegenkurs. Nach Medienmeldungen war Prof. Dr. Göke wegen seines Krisenmanagements massiv in die Kritik geraten und zum Rapport beim Aufsichtsrat einbestellt worden. Dazu wurde nach Medienmeldungen eigens eine Sondersitzung einberufen.

In vielen Kliniken spielt der Aufsichtsrat ob der medizinischen Dominanz eine eher marginale Rolle, obwohl die Besetzung des Aufsichtsrats am Universitätsklinikum mit meist bedeutenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nachgerade herausragend erfolgt ist. Allerdings konnte die Zusammensetzung des Aufsichtsrats bislang jedenfalls den Internetseiten des UKE nicht entnommen werden. Möglicherweise eine Folge der internen Wertigkeitsbeurteilung. Vorsitzende des Aufsichtsrats ist, wie bereits berichtet, die Wissenschaftssenatorin

Nach der Sitzung des Aufsichtsrates des Universitätsklinikum Eppendorf unter Leitung der Zweiten Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank nun die schon fast perfekt inszenierte Kehrwende. Auch die Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Stocks, die die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz politisch verantwortet, hatte sicherlich ein wichtiges Wort mitzureden.

Über die vor der Sitzung des Aufsichtsrats bekannt gewordenen Einzelheiten der Kehrtwende hatten wir bereits berichtet (hier).

Nun gibt es weitere Details, die allerdings medial offensiv noch nicht kommuniziert werden. Wie verlautet, soll es nun eine Kommission geben, die die Transplantationen überprüft und der neben ihrem Vorsitzenden aus Süddeutschland weitere renommierte Mediziner und andere Experten angehören sollen.

Diese Kommission hat vollen Zugriff auf die Interne Revision und auf die Qualitätssicherung und soll die Transplantationen ab 2010 überprüfen.

Das Klinikum Hamburg-Eppendorf und sein Transplantationszentrum kann nur noch durch eine offene Strategie der Transparenz punkten. Entscheidend wird sein, wie konsequent die Untersuchungen betrieben und ob sie innerhalb weniger Wochen abgeschlossen werden können.

Noch scheint es s, als ob die Transparenzbemühungen sich auf die Transplantationen beschränken, die ebenfalls in der Kritik stehende Verwaltung des Universitätsklinikums Epperdof soll noch nicht extern kompetent beurteilt werden,  dies wäre auch einem Misstrauensvotum gegenüber dem Klinikumsvorstand gleichgekommen. Der besonders in der Kritik stehende Vorsitzende des Vorstandes des Klinikums Hamburg-Eppendorf, Prof. Dr. Burkhard Göke ist erst seit Ende 2014 im Amt. Er war zuvor langjährig Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums München-Großhadern.

Nach deer Sitzung des Aufsichtsrats hieß es ergänzend, dass das Universitätsklinikum nun bei den Transplantationen auf Kooperation mit anderen Norddeutschen Transplantationszentren setzen wolle.

Kooperation statt Konkurrenz, eine sicher nachhaltiger angelegte Strategie. Ob sie von Dauer ist, wird sich weisen.

Die noch beim Amtsantritt 2014 von Prof. Göke gelobte Aufbruchsstimmung dürfte durch die Vorfälle einen deutlichen Dämpfer erlitten habe. Auch das UKE wird sich auf die beste Hamburger Tradition rückbesinnen müssen. Dazu gehört das tragende Prinzip

Mehr Sein als Scheinen.

Es wird spannend werden, sie nachhaltig die Kehrtwende ist. So wäre ein Schritt in die richtige Richtung, die Kehrwende offen durch eine Pressemeldung zu kommunizieren. Das könnte den Ruf des UKE vor einem weiteren Abrutschen bewahren, denn Patientenvertrauen braucht klare Signale.

Mit etwas mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und beinahe 938 Mio. Umsatz (+8% ggü. 2014) ist das UKE das viertgrößte Unternehmen Hamburgs. Nicht nur in Hamburg ist die Gesundheitswirtschaft eine der Schlüsselbranchen. Das UKE und seine Tochterunternehmen behandeln jährlich beinahe 400.000 Patientinnen und Patientenen, darunter ca. 125.000 zunächst über die Notaufnahme. 2015 hatte das UKE noch einen Überschuss von 2,2 Mio. €, allerdings mit sinkender Tendenz.

Qualität ist, was beim Patienten ankommt! Plädoyer für einen einheitlichen Qualitätsbegriff im Gesundheitswesen!

Zu lange haben nicht nur die Vorstandsvorsitzenden großer Krankenhäuser der Maximalversorgung darauf vertraut, dass die Leistung der von ihnen geleiteten Krankenhausverwaltung keine Rolle spielt.

Und die Mediziner haben darauf vertraut, dass auch interdisziplinär nur die medizinische Leistung und nicht die vorhandenen Defizite der Krankenhausverwaltung zählen. Und selbst die Umfragen nach der Patientenzufriedenheit haben da die Krankenhausverwaltungen nicht gestört. Wenn tatsächlich die Patientenzufriedenheit sektpral gemessen wird, so ist diese meist 10 Punkte schlechter als die Zufriedenheit mit der ärztlichen und pflegerischen Leistung.

Noch unterliegen die Ärzte dem Irrglauben, nur ihre Leistung sei für Qualität maßgebend und die bisher vorhandenen Ranking-Systeme unterstützen sie dabei weitgehend, denn sie schauen nur auf die ärztliche Leistung und nicht auf die Qualität der Krankenhausverwaltung.

Dabei ist reine schlecht aufgestellte Krankenhausverwaltung vielfach die Quelle von unerwünschten Ereignissen, und sei es auch nur Patientenärger, dem Ärzte mehr oder weniger gekonnt die Spitze nehmen.

Eine beliebte Methode sind nach wie vor die sogenannten toten Briefkästen, in denen Patientenbeschwerden unkommentiert und scheinbar unbearbeitet landen. Patientinnen und Patienten haben oft genug den Eindruck, ihre Beschwerden über die Krankenhausverwaltung würden nach dem Prinzip

Gelacht – gelocht und abgelegt

behandelt. Beschwerden über die eigene Krankenhausverwaltung werden daher auch von vielen Krankenhausärzten mit einem zustimmenden mitleidigen Kopfschütteln gerne entgegengenommen, ohne dass sie die ihnen sonst übliche Hoffnung der Genesung auch nur über die Lippen kommt.

Schlimmer noch sind die engagierten Verteidiger ihrer eigenen Krankenhausverwaltung, die nur zu gerne systemische Fehler bagatellisieren und zum bedauerlichen Einzelfall minimieren.

 

 

Warum Patientinnen und Patienten in der Gesundheitwirtschaft keine Rolle spielen dürfen

Die Gesundheitswirtschaft ist mit ihren über 350 Mrd. € pro Jahr ein so bedeutender Wirtschaftszweig, dass sie sogar ein eigenes Wirtschaftsministerium hat, das nur nicht so heißt. Darum gilt unter Experten der Gesundheitsminister auch gerne als der „kleine Wirtschaftsminister“. Das leistet sich sonst nur die Landwirtschat.

Welche politische Reputation das Gesundheitswesen in der Politik hat, zeigt sich an der Qualität und Erfahrung unserer Gesundheitspolitiker, als parlamentarische Neulinge ihr erstes Betätigungsfeld oder als nicht mehr ministrabel die letzten Jahre vor der Rente möglichst unauffällig die Hinterbänke unserer Parlamente  bevölkern.

Es darf sich daher niemand wundern, dass es um die Qualität unserer Gesundheitspolitik nicht gerade gut bestellt ist. Und es darf sich niemand wundern, wenn irgendwann eine unserer kommenden Bundeskanzlerinnen oder Bundeskanzler die Gesundheitspolitik als „Neuland“ bezeichnet, als ob es eine menschenleere Insel sei, die es erst noch zu besiedeln gelte.

In einem solchen „Neuland“, das erst noch entdeckt werden soll, dürfen definitionsgemäß die Patientinnen und Patienten nur die Statistenrolle spielen. Eine Hauptrolle kommt ihnen daher nur selten zu, allenfalls unter dem fast schon esoterisch anmutenden Begriffen „Patientenwohl“ oder „Lebensqualität“. Begriffe, die natürlich von Leistungserbringern im Gesundheitswesen definiert werden und die Patienten allenfalls abnicken dürfen, zustimmend natürlich.

Leistungserbringer im  Gesundheitswesen definieren, was Patientinnen und Patienten von ihnen erwarten dürfen. „Erwartungsmanagement“ nennt man das bekanntlich, eine Managementsparte mit Zukunft. Damit die Leistungserbringer auch wirklich unter sich bleiben, enthält sich die versammelte Politik nur zu gerne echten konfliktreichen Regelungen und delegiert Legislative, Exekutive und teilweise auch die Judikative in die „Selbstverwaltung“ des Gesundheitswesens, eine „Selbstverwaltung der Leistungserbringer“, was diese allerdings nicht so gerne hören.

Dass in dieser Selbstverwaltung der Leistungserbringer Patienten und ihre Verbände meist nur am „Katzentisch“ sitzen dürfen, ist da eine konstruktive Selbstverständlichkeit. In den USA ist dies teilweise anders, da betreiben manche Patientenverbände äußerst professionell auch eigene Kliniken und Rehazentren, ein inzwischen auch in Deutschland angekommenes Geschäftsmodell in medizinischen Nischengebieten.

Die Patientenpolitik hat durchaus ihren nominalen Stellenwert, immerhin dürften inzwischen Patienten die Mehrheit der Wähler darstellen, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen und unter sich alles tun, um sich möglichst zersplittert darzustellen. Wen wundert es da, dass die Politik alles tut, um eine parteienübergreifende Patientenallianz zu verhindern, denn sonst hätten Patienten im Parlament das Sagen und die Mehrheit.

Bislang haben nur wenige erkannt, welch gigantische volkswirtschaftliche Reserven freigesetzt werden könnten, wenn das Gesundheitswesen auch nur „patientenorientiert“ umstrukuriert werden würde, wahrscheinlich könnten deutlich mehr als 100 Mrd. € eingespart und teilweise auch in ein besseres Gesundheitswesen reinvestiert werden. Das wären immerhin mehr als ein Drittels des Gesamtumsatzes der Gesundheitswirtschaft, eine gigantische aber keineswegs einfache Aufgabe, die parlamentarische Neulinge überfordert und „alten Hasen“  den vor Augen stehenden Ruhestand vergällen würde.

Und so bleibt die Gesundheitswirtshaft ein monolithisches System, nach außen sorgsam abgeschottet und wenig empfänglich für Innovationen und Verbesserungen, mehr rückwärtsgewandt und systemerhaltend als vorwärtsstrebend und innovativ.

Daran wird sich erst etwas ändern, wenn parteiübergreifende Patientenallianzen ihre wirkliche Macht erkennen und ihren eigentlich vorhandenen Einfluss nutzen, um kostensparende Verbesserungen des Gesundheitswesens zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen.

Und so bleibt es bisher auch gemeinwohlorientierten Leistungserbringern vorbehalten, die erstarrten Strukturen des Gesundheitswesens zutreffend wissenschaftlich kritisieren zu lassen (hier) und weiterhin auf die Bänke übergreifende Resilienz des Systems und Protagonisten zu vertrauen.

Dabei haben Patienten schon heute massiven Einfluss durch ihre Nichtakzeptanz von Einzelangeboten bis hin zur Abstimmung mit den Füßen, soweit sie die Füße noch tragen. Und dieser Einfluss wird bei zunehmender Transparenz der Gesundheitswirtshaft auch weiter wachsen.

Es gilt nur immer wieder, diese Transparenz und die daraus entstehende Angebotsvielfalt so gut wie möglich zu nutzen. Solange Patientenbeteiligung nur mit den Füßen und auf dem Gerichtswege wahrgenommen werden können, werden die ca. 50 Mio. Patientinnen und Patienten in Deutschland eine kleine radikale Minderheit bleiben.

 

 

 

Terrorgefahr in Deutschland: Auf größere Zahl von gleichzeitig Schwerverletzten nicht befriedigend vorbereitet

Erschreckendes aber nicht überraschendes Fazit eines kompetenten Fachexperten

Die Vorab-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zur ihrer diesjährigen Notfallkonferenz unter dem Thema: „Terroranschläge – eine neue traumatologische Herausforderung“ fasste ein Kenner der Verhältnisse als Teilnehmer auf dem Podium persönlich in der Weise zusammen, dass er die medizinischen Vorbereitungen für einen größeren Anfall von Schwerverletzten nicht als befriedigend ansah.

Steigerungsraten Überlebender lassen sich mit gutem politischen Willen noch weiter verbessern

Dabei habe es in den letzten 20 Jahren deutliche Verbesserungen bei der Behandlung von Schwerverletzten gegeben, so dass die Rate der Sterbefälle von 30% auf 15 % gesenkt worden sei und noch weiter verbessert werden könne.

Mehr medizinische Schulungen für den Ernstfall notwendig

Für besondere Formen von Verletzungen wie z. B. Splitter- und Explosionsverletzungen seien nun in Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr für Unfallchirurgen Schulungsangebote vorbereitet worden, die rechtzeitig genutzt werden sollen, um die schlimmen Folgen solcher Verletzungen zu verringern und die Überlebensraten im Falle möglicher Geschehnisse mit einem deutlich erhöhten Anfall von Schwerverletzten zu erhöhen.

Finanzielle Förderung als Sonderaufwand unerlässlich Hohe

Die Podiumsteilnehmer verbanden dies mit einem deutlichen Appell an die Politik, rechtzeitig die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen und bereits im Vorgriff getätigte Aufwendungen zu erstatten. So solle das bereits in Deutschland vorhandene Traumanetzwerk deutlich besser uterstützt werden.

Mehr bürgerschaftliches Engagement notwendig

Die Vorbereitung für einen deutliche Zahl von gleichzeitig Schwerverletzten bedürfe allerdings nicht nur fianzieller Aufwendungen. Hier sei das in Deutschland ja allgemein vorhandene bürgerschaftliche Engagement besonders gefordert und müsse auch intensiv gefördert werden.

Maßnahmen, wie unentgeltliche Auffrischungskurse in Erster Hilfe einschließlich dem Abbinden von Gliedmaßen, die Vorhaltung zentraler Helfermeldestellen zur Betreuung von Opfern bis zum Transport in die nächstgelegenen Krankenhäuser und weitere Fortbildung für größere Verletztenzahlen sollten in Angriff genommen werden. Hier kann bürgerschaftliches Engagement bsonders helfen.

Sicherlich wäre es auch sinnvoll, die allgemeinen Verhaltensregeln für Unfälle und andere Unglücke sich wieder in Erinnerung zu rufen.

Folgende fünf Regeln haben sich bewehrt:

  1. Ruhe bewahren,
  2. Bei Verletzten sofort ein Anruf bei 112.
  3. Verletzte betreuen und Hilfe leisten. Auch hier genügen meist wenige Helferinnem und/oder  Helfer (1-2).
  4. Verletzten Beistand leisten ist wichtig, aber nichts überhasten.
  5. Rascher Rückzug von Nichthelfern aus der Rettungszone.
  6. Rettungswege freihalten bzw. Rettungswege freimachen.

Qualitätsdiskussion: Mediziner wollen alleine bestimmen, was sie für Qualität halten

Nachdem das halbstaatliche Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) im konsequenter Umsetzung des Koalitionsvertrages zu Beginn dieser Legislaturperiode 2013 durch den Vorschlag von Qualitätsindikatoren sehr forsch das Thema „Pay for Performance“ unerwartet energisch vorantrieb, gibt es nur wenige ärztliche Lobbygruppen, die das IQTIG nicht erfolgreich gegen sich aufgebracht hätte.

Selbst ein Präsident einer großen medizinischen Fachgesellschaft weißt auf die Gründung des IQTIG in diesem Jahr hin und dass es eigentlich noch Anfangsschwierigkeiten haben müsste. Dabei steht das IQTIG in einer fast zehnjährigen Tradition der – allerdings meist folgenlosen – Qualitätssicherung im Gesundheitswesen, die natürlich in diesen ganzen Zeit von Medizinern dominiert wurde. Der Stellenwert der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen war entsprechend begrenzt, obwohl schon durch die Vorgänger AQUA und BQS die nur eingeschränkt für Patienten verständlichen Zahlen kommuniziert wurden.

Nun geht dem Gesundheitswesen um’s Geld, da ist die Achtsamkeit der Mediz9iner natürlich besonders groß. Und so wird das IQTIG aus den Kreisen der betroffenen Gesundheitswirtschaft auch so ziemlich unisono für seine unbefangene Veröffentlichung von Qualitätsindikatoren, die mit der ärztlichen Lobby noch nicht abgestimmt waren, kritisiert.

Dabei ist das IQTIG eigentlich sehr zurückhaltend, denn auf absehbare Zeit sollen die Qualitätsanforderungen, wie in unserem Gesundheitswesen allgemein üblich, keineswegs durch den Patienten bestimmt werden. Stellvertretend für den Patienten finden sich rasch andere Player des Gesundheitswesens mit virulenten Eigeninteressen, die zu allem Überfluss auch noch in „Bänken“ institutionalisiert sind.

Dies führt natürlich schon per se zu einer deutlichen Verwässerung und Unschärfe des Qualitätsbegriffs im Gesundheitswesen, denn die Qualitätsparameter sind dabei dem freien Spiel der Kräfte überlassen.

Wo eigentlich die Patienten die Qualitätsindikatoren im MGesundheitswesen bestimmen müssten, finden sich rasch in allen Machtgruppen des Gesundheitswesens eilfertig Wahrer der Patienteninteressen, meist stellvertretend und selten immer interessenfrei.

Da wird dann interessengerecht der Qualitätsbegriff ausgelegt und zu bestimmen versucht. Patienten werden allenfalls in Form ihrer ganz großen nicht immer staatsfernen Verbände befragt, ohne Stimmrecht natürlich und meist zuvor professionell „konsentiert“. Expertise ist da nicht gefragt und wird auch nicht vergütet. In der Qualitätssicherung zählt nur das Erreichen des Durchschnitts.

Da haben es die multiplen Ärzteverbände und medizinischen Fachgesellschaften leicht, ihre vermeintliche Allzuständigkeit für den Qualitätsbegriff für sich zu reklamieren und zu beanspruchen, dass sie die Qualitätsindikatoren des für sie Erreichbaren selbst bestimmen.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben naturgemäß vorrangig die Wirtschaftlichkeit des Gesundheitswesens im Auge, so dass schon konstruktiv eigentlich das Durchschnittliche auf einen bezahlbaren Niveau den Qualitätsbegriff im Gesundheitswesen dominiert.

Der Versuch des IQTIG, durch die meist keineswegs neuen Qualitätsindikatoren die Diskussion in eine neue Richtung zu lenken, ist aus Patientensicht sehr zu begrüßen, auch wenn Patienten sicher Qualität nicht immer im Gleichschritt mit dem IQTIG buchstabieren würden.

Aber der Versuch des IQTIK, die Qualitätsdiskussion in die richtige Richtung zu lenken, wird angesichts der Gegenwehr großer maßgeblichen Lobbygruppen im Gesundheitswesen wohl eher scheitern, da sich viele Player im Gesundheitswesen noch nicht reif für eine teilweise qualitätsorientierte Vergütung fühlen, selbst wenn die Zu- und Abschläge moderat bemessen sein sollten.

Zu lange hat sich die Medizin sehr sicher gefühlt. Diese an Fallzahlen orientierte komfortable Sicherheit wrd sie natürlich nicht kampflos preisgeben.

Auch wenn Patienten in der Qualitätsdiskussion nur wenig oder sogar nichts zu sagen haben, dürfte die wieder aufflammende Qualitätsdiskussion richtig spannend werden und dieses Mal nicht wieder so schnell zum Erlöschen zu bringen sein.

Der Großen Koalition sein Dank! Denn mehr Qualität im Gesundheitswesen könnte ausnahmsweise mal ein echter Fortschritt im sonst doch so innovationsarmen Gesundheitswesen sein.

Was ist eigentlich ein Gesundheitssystem wert, das Jahr für Jahr mehr als 100.000 chronisch kranke Jugendliche der Gefahr einer Traumatisierung aussetzt?

Jahr für Jahr müssen mehr als 100.000 chronisch kranke Jugendliche in der gesetzlichen Krankenversicherung mit Vollendung ihres 18. Lebensjahres auf einen Schlag ihre gesamten Ärzte und Krankenhäuser von Pädiater zum Erwachsenenarzt wechseln und damit das bisher erworbene Vertrauen schlagartig kappen und völlig neu aufbauen.

Die negativen Folgen dieser einschneidenden Regelung sind bestens bekannt, werden aber nur völlig unzureichend punktuell durch einzelne Projekte zu ändern versucht.

Weil sie nicht mehr zu ihren Kinderärzten dürfen, brechen nicht wenige Jugendliche mit chronischen Erkrankungen ihre Therapie unvermittelt ab, obwohl sie weiterhin therapiebedürftig sind.

Über die Kosten dieser massiven Fehlsteuerung im Gesundheitswesen kann nur spekuliert werden. Es dürften insgesamt mehrere 100 Mio. € unnötiger zusätzlicher Mehrkosten sein, von den häufig schweren gesundheitlichen (Spät-)Folgen eines solchen Therapieabbruchs soll hier gar nicht geredet werden.

Ein Gesundheitssystem, das sich zu Lasten junger Menschen diese Fehlsteuerung leistet, entlarvt sich selbst.

Schuld sind die Handelnden: Politik, Gesundheitsministerium und Ärzteverbände.

Mitschuldigen sind all diejenigen, die dies scheinbar unbewegt zulassen, auch die Eltern und deren Verbände.

Zehntausende Patientenverfügungen und Patientenvollmachten ungültig?

Bundesgerichtsgerichtshof bringt es in einem Urteil an den Tag

Trügerische Sicherheit: Sind Ihre Patientenverfügung und ihre Patientenvollmacht überhaupt wirksam?

Sie schlummern üblicherweise in einer Notfallmappe im Wohnzimmerschrank, mehr oder weniger griffbereit. Und viele zehntausende Menschen vertrauen auf sie in der Hoffnung, sie nie wirklich brauchen zu können. Denn mit der eigenen Krankheit oder dem eigenen Lebensende befasst sich eigentlich niemand so richtig gerne.

Rasch mal aus dem internet heruntergeladen, den eigenen Namen eingesetzt und unterschrieben. Und dann möglichst schnell wieder weggelegt. Das war die vielfach gelebte Praxis seit Anfang der 90er Jahre des vergangenen 20. Jahrhunderts.

Dieser Praxis hat nun der Bundesgerichtshof (hier) mit einer Entscheidung ein jähes Ende und eine klare Absage bereitet. Solche unreflektierten vorformulierten Patientenverfügungen und Patientenvollmachten sind an wichtigen Stellen unwirksam.

Es wird nun geraten, alle Patientenverfügungen und Patientenvollmachten (Vorsorgevollmachten) durch einen wirklich kompetenten und entsprechend ausgewiesenen Fachmann zu überprüfen und ggf. neu formulieren zu lassen. Wie gerade der entschiedene Fall zeigt, gilt dies auch für notarielle Vollmachten, die oftmals gerade an entscheidenden Stellen zu unbestimmt formuliert sind.

Nur dann können Patienten sicher sein, im Falle einer schweren Erkrankung alles Notwendige getan zu haben.

Es ist zu erwarten, dass sich gerade Mediziner aus unterschiedlichen Gründen rasch auf diese Unwirksamkeit berufen werden, denn das urteil wird in der Fachpresse schon entsprechend publik gemacht (hier)

Es wird nicht wenige Ärzte geben, die in Zukunft zunächst ihren (Krankenhaus-)Juristen fragen werden, ob sie diese Patientenverfügung überhaupt anwenden dürfen oder sie vielleicht anwenden müssen.

Brand im Krankenhaus oder im Altenheim: Haben Sie schon nach Ihrem Evakuierungsplan und nach der letzten Brandschutzübung gefragt?

Sie sind gar nicht so selten, die Brände im Altenheim oder im Krankenhaus. Brandschutzunterweisungen müssten daher Teil jedes Aufnahmegesprächs sein und bei längeren Aufenthalten auch regelmäßig einmal im Monat wiederholt werden,

Unabdingbare Voraussetzung ist dafür ist natürlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses und des Altenheims wissen, was im Brandfall zu tun ist und dies regelmäßig auch geschult wird.

Dies zu überprüfen, ist eine der wirklich wichtigen Aufgaben der Heimaufsicht und der  Krankenhausaufsicht, oder sollte dies zu zumindest sein. Aber wahrscheinlich muss erst das eine oder andere Strafverfahren wegen Verletzung der Aufsichtspflicht durchgeführt worden sein, bis manche Behörden diese Aufsichtspflicht ernst nehmen. Solche Strafverfahren haben in der Regel weit über den Einzelfall hinausgehende Fernwirkungen, wie die Ermittlungen gegen Jugendamtsmitarbeiter zeigen.

Chaos bei Brandausbruch ist nichts Ungewöhnliches. Aber das Chaos kann entscheidend verkürzt werden, wenn alle Beteiligten auf ihre Aufgabe im Brandfall rechtzeitig vorbereitet sind.

Rechtszeitige Vorbereitung rettet Leben. Für diese Vorbereitung müssen Altenheime und Krankenhäuser sowie und ihre Aufsichts- und Brandschutzbehörden rechtzeitig Sorge tragen und ihre Notfallpläne ständig auf dem Laufenden halten. Wo dies nicht erfolgt ist, sollten Staatsanwaltschaften regelmäßig Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung prüfen.