Selbst bei der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) rückt der Patient jetzt stärker in den Mittelpunkt

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch langsam wird eine stärkere Patientenorientierung zum Megatrend.  Megatrends haben den Vorteil, dass diejenigen, die sich ihnen entziehen wollen, nicht unbedingt als zukunftsorientiert gelten.

Manche medizinische Fachgesellschaft tat sich in den letzten Jahren nicht leicht, den Patienten im Mittelpunkt zu sehen. Auch für die DGIM stand mehr die Medizin als der Patient im Zentrum ihres Bemühens. Patienten durften sich eher als Sünder fühlen, wenn es darum ging, ärztliche Fehlentwicklungen zu erklären und zu entschuldigen. Sicher haben medizinische Fachgesellschaften auch nicht die Aufgabe, übermäßige Schuldzuweisungen zu Lasten ihrer Mitglieder vorzunehmen. Und die Patienten als schwächstes Glied in der Gesundheitsversorgung nahmen oftmals diese Schuldzuweisung notgedrungen hin, denn sie brauchten ja ihre Ärzte.

Dass das Weltbild der DGIM in den vergangenen Monaten zunehmend Risse bekommen hatte, merkte selbst der eine oder andere Verbandsobere. So zum Beispiel, wenn die Medien gebeten wurden, doch nicht so negativ zu berichten. Dennoch tat sich die DGIM – möglicherweise auch aufgrund ihrer langen Tradition – schwer, die Zeichen der Zeit als unausweichlich zu akzeptieren und Patienten als Partner wirklich wahrzunehmen.

Der jetzt vollzogene Wechsel in der Führung der DGIM bietet die Chance zum Neuanfang bei der Patientenorientierung des Verbandes. Der Göttinger Kardiologe Prof. Dr.  Gerd Hsenfuß übergibt sein Amt als Vorsitzender der DGIM nun an die Münchner Diabetologin Prof. Dr. Petra Schumm, die bis in den Frühsommer 2017 die DGIM führen wird.  Als ausgewiesene Spezialistin für durch Diabetes hervorgerufene Chronische Wunden hat sie alle Chancen, die bisher nicht immer optimale Patientenorientierung der DGIM zu verbessern und zu einem Markenzeichen des Verbandes zu machen.

Dazu hat die neue Vorsitzende Petra Schumm ein Jahr Zeit, die DGIM anforderungsgerecht neu auszurichten und Fehlentwicklungen der Vergangenheit in dieser von hoher Kontinuität geprägten zu beenden.

 

Auch Ärzte tun sich schwer mit „Klug entscheiden!“, der neuen Aktion der DGIM

So schwierig hatten es sich die Verantwortlichen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ihre Aktion im Rahmen ihres Dachverbandes AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften) wohl nicht vorgestellt. Dabei hatten sie sich in einer Art Light-Version schon deutlich von der AMWF abgesetzt und sich darauf besonnen, dass Ärzte – auch aus Gründen der Therapiefreiheit – lieber selbst entscheiden. Daher wurde schon frühzeitig aus der AWMF-Aktion „Gemeinsam klug entscheiden“ das Wörtchen gemeinsam gestrichen und die Patientenbeteiligung auf eine Art Camouflage am Schluss der Entscheidungsfindung reduziert.

Dies war wohl dem Wissen geschuldet, dass Ärzte ihre Schuldigen lieber woanders suchen als bei sich selbst.

Dass dabei schon längst der Zeitplan für die Aktion durcheinander gerät und die DGIM mehr als nur Gefahr läuft, ins Hintertreffen zu geraten, zeigt sich anhand der Empfehlungen, die Kernstück der Aktion „Klug entscheiden“ sein sollten, die aber fragmentarisch und durchaus kontrovers noch immer nicht vollständig publiziert werden können. Anscheinend hat die DGIM und die ihr angeschlossenen Fachgesellschaften deutliche Konsensschwierigkeiten.

Dabei waren diese Schwierigkeiten durchaus vorauszusehen, denn bis heute funktionieren die ärztlichen Informationsstrukturen keineswegs perfekt anmutend. Experten rechnen mit einem „GAP“von mindestens 10 Jahren, bis medizinische Erkenntnisse weitgehend auch an der ärztlichen Basis bekannt werden. Da heißt keineswegs, dass sie dann auch flächendeckend schon angewandt werden.

In der neuen informationsdeterminierten Patientenwelt wird dies über kurz oder lang das eingefahrene Patienten-Arzt-Vertrauen wohl teilweise zum Abschmelzen bringen. Vor allem wegen der bisherigen durchaus kultivierten Intransparenz medizinischer Leistungen ist dieses Vertrauen noch ungewöhnlich hoch, ohne dass dies zwingend auch auf eine hohe Qualität der Leistungen schließen lassen könnte.

Das wird sich unter dem Einfluss zukünftig deutlich besserer Patienteninformationen sich ändern. In Zukunft werden die Ärztinnen und Ärzte Patientenvertrauen genießen, die auch informationell mit der Zeit gehen oder zumindest diesen Eindruck erwecken.

Es darf daher auch nicht wundern, dass „Klug entscheiden“ der DGIM nun stärker selbst in den eigenen Reihen kontrovers diskutiert wird und Sand ins Getriebe ärztlichen Entscheidens bringt.

Von diesen Schwierigkeiten werden am Ende Patientinnen und Patienten profitieren, jedenfalls dann, wenn sie sich selbst ihren  Erkrankungen einigermaßen auf dem Laufenden halten und der richtigen Ärztin oder dem richtigen Arzt  ihr informationsbasiertes Vertrauen schenken.

Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart will Vorreiter bei patientenorientierter Digitalisierung werden

Ungeachtet seines bereits bestehenden Standards in der eigenen Digitalisierung  wagt sich das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart gemeinsam mit der Telekom Healthcare Solutions an neue digitalisierte Vernetzungslösungen, die auch für die Patentinnen und Patienten vorteilhaft sind. Dies berichtet die Deutsche Ärztezeitung.

In den kommenden Jahren wird der Wettbewerb im Gesundheitswesen sich neu sortieren. Krankenhäuser, die die hohe Bedeutung der Digitalisierung frühzeitig erkennen und dabei trotzdem nicht übertreiben, werden dabei massiv im Vorteil sein, denn auch das Gesundheitswesen wird sich einer fortschreitenden Digitalisierung nicht entziehen können.

Durch die Digitalisierung im Gesundheitswesen können sich Kommunikationswege  beschleunigen lassen, Krankenhausaufenthalte verkürzen, auf das Wesentliche konzentrieren und patientenorientierter gestalten lassen. Überflüssige Doppeluntersuchungen können besser vermieden werden, Patienten mehr und transpatentere Informationen über ihren Gesundheitszustand und schnellere Feedbacks auch zur eigenen Therapietreue erhalten, wenn das gewünscht ist. Zusätzliche Herausforderungen zur bisher schon vorhanden Patientensicherheit werden in Form eines noch besseren Daten- und Richtigkeitsschutzes treten müssen.

Nicht nur die Krankenhäuser, auch die Patienten werden sich der Herausforderung der Digitalisierung stellen und auch stellen müssen, weil sie sich gar nicht entziehen können. Danut wird auch ein Mehr an Überwachung und Kontrolle optional möglich sein. „Big Data“ patientenorientiert zu gestalten, wird dabei eine der bis heute noch kaum vorstellbaren und bisher keineswegs gelösten Herausforderungen werden. Allein der schöne allgemeine Begriff des „Patientenwohls“ wird dabei nicht genügen.

Die frühe Beteiligung von Patientinnen und Patienten an der Ausgestaltung der Digitalisierung im Gesundheitswesen kann verhindern, dass die Digitalisierung in die falsche Richtung läuft. Ob eine solche – anscheinend in der Kooperation gewollte – Beteiligung wirklich in der Praxis möglich ist, oder wiederum den Patienten mehr oder weniger taugliche fertige Lösungen präsentiert werden, wird die auf mindestens fünf Jahre angelegte Kooperation in Stuttgart erst noch zeigen müssen. Die Konzepte dazu sind dafür jedenfalls noch gestaltbar.

Es wird an den beiden Kooperationspartnern liegen. ob sie die darin liegenden Chancen erkennen und wirklich nutzen oder ob sie die Chance, die in der patientenorientierten Digitalisierung liegen, verpassen und damit branchenfremden Konkurrenten überlassen.

Patienten haben besondere Bedürfnisse in der Digitalisierung im Gesundheitswesen, sind aber durchaus bereit, patientengerechte Digitalisierung als technischen und medizinischen Fortschritt zu akzeptieren und das dazu notwendige Maß an Verantwortung selbst zu übernehmen. Ob das Gesundheitswesen in der Praxis dazu die patientengerechten Lösungen finden wird, muss sich sich erst noch erweisen. Sicher ist das keineswegs.

Welche Vorstellungen die Kooperationspartner für ihren  eigenen Anspruch einer frühzeitigen Einbeziehung von Patientinnen und Patienten in angemessener Weise haben, muss erst noch weiter entwickelt werden.

Selbstverständlich berichten wir über das sehr frühzeitig bekannt gewordene Projekt und seine weiteren Fortschritte. Ein Scheitern des Projektes wäre für den Gesundheits- und Technologiestandort Stuttgart mehr als nur nachteilig.

So gesehen, muss die Kooperation ein Erfolg werden. Solche Chancen gibt es nicht viele und nicht zu häufig.

Auf weitere Medienmitteilungen zu diesem Projekt sind wir schon heute erwartungsvoll gespannt.

Patientenwohl: Ethikrat navigiert sich systemkonform durch

Sehr zur Freude aller Wahrzunehmenden im Gesundheitswesen hat sich der Ethikrat mit seiner Stellungnahme zum Patientenwohl erstaunlich systemkonform verhalten  und nur kleinere, fast nicht wahrnehmbare und daher besonders akzeptable Veränderungen am Gesundheitssystem gefordert. Ähnlich wie schon bei der Organspende war auch hier nur ein Konsens auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner möglich.

Bei der mehr als 150 Seiten umfassenden Stellungnahme des Ethikrates fällt schnell das ehrliche Bemühen auf, aus Gründen der Akzeptanz, wenigstens dieses Mal nicht in alle ethischen Fettnäpfchen zu treten.

Und so findet die Stellungnahme des Ethikrats zur Lage der Krankenhäuser allgemein Beifall – selbst bei Patienten und deren -verbänden. Nur die Deutsche Krankenhausgesellschaft musste – durchaus aufgabenkonform eine Gegenposition vertreten. Auch das nicht unerwartet und wie immer sehr gekonnt.

Die Analyse des Ethikrates zur Patientenorientierung in Krankenhäuser ist zunächst vernichtend, denn der Ethikrat kommt zu dem klaren Ergebnis, dass die notwendige Ausrichtung am Patientenwohl als „Leitfigur“ bisher nicht gelungen ist. Punkt.

Die folgendee Strategieempfehlung des Ethikrates zeichnet sich allerdings denn nicht gerade durch Substanzreichtum aus, sondern flüchtet sich in möglichst großen Detailreichtum. Ethische Leitlinien sind nur sehr schwer zu erkennen. Da ein nicht unbeachtlicher Teil des Ethikrates sich mit dem Gesundheitswesen mehr oder weniger identifiziert, war dies wohl auch die Grenze der Selbsterkenntnis.

Dem ethischen Anspruch an sich selbst, hat der Ethikrat in der Stellungnahme voll genügt. Er postuliert vorab, die ethische Dimension des Patientenwohls, wie der Ethikrat das Patientenwohl verstanden haben will. Dies konnte nur dadurch gelingen, dass der Ethikrat den Begriff des Patientenwohls neu in seinem Sinne definierte.

dabei war sich der Ethikrat dieses Kunstgriffs durchaus bewusst, das zeigt schon die geradezu inflationär anmutende Verwendung des Begriffs „Patientenwohl“ an 72 Stellen in seinem Papier. Um die ethische Verbindlichkeit der neuen Dimension des Patientenwohls erkennen zu lassen, scheut der Ethikrat keinen Begründungsaufwand bei der Objektivierung des von ihm wahrgenommenen Patientenwohls unter ethischen Aspekten, möglichst unter Loslösung vom Patienten. Gerade durch den Kunstgriff der Loslösung vom Patienten und seiner Lebenssituation wird die Überhöhung des und vermeintliche Objektivierung des Patientenwohls deutlich. Es hat den Anschein, als ob der Deutsche Ethikrat durchaus Patienten eher als behandlungsbedürfte Objekte des Gesundheitswesens als selbstständig handelnde Individuen wahrnimmt.

Bei diesem im Gesundheitswesen eher heute noch üblichen systemkonformen Ansatz des Ethikrates minimalisierten sich seine Empfehlungen quasi automatisch auf die Wiederholung eher floskelhafter Normalitäten, die allerdings heute noch keineswegs selbstverständlich sind (z. B. Barrierefreiheit in Krankenhäusern, interkulturelles Sprachverständnis der behandelnden Ärzte u. a.).

Daher ist es nur konsequent, dass die Empfehlungen des Ethikrates dieses Mal keine systemkritischen Vorschläge enthalten, die ohnehin nicht zur Kenntnis genommen würden. Reflexionen des Ethikrates zum Umfang der Patientenbeteiligung, zur Patientenautonomie zeigen daher mehr die fremdbestimmte Sorge  als die Hilfe zur Selbsthilfe. Angesichts dieser begrenzten Betrachtungsweise muss der Ethikrat allerdings die vermeintliche Zeitlosigkeit seiner Empfehlungen in Frage stellen lassen. Die Medienreaktionen auf diese Stellungnahme des Ethikrates neigten daher auch eher gepflegtem Unverständnis zu. Die häufige Verwendung der Formulierung „Bundestag und Selbstverwaltung sollten sicherstellen…“) zeigt eher kritiklose Gleichstellung von eigentlich Unvergleichlichem.

Andere Themen, wie z. B. die Neudefinition einer möglichen „modifizierten patientenzentrierten Selbstverwaltung“ im Gegensatz zur vorhandenen „Selbstverwaltung der Diensteerbinger“ wurden nicht einmal ansatzweise thematisiert.  Statt dessen wird der klassische Begriff der Selbstverwaltung ohne den aktiv gestaltenden Patienten als gegeben übernommen und ausführlich als gegeben erläutert, ohne die inzwischen häufiger empfundene Unzulänglichkeit der Selbstverwaltung als systemkritisch zu thematisieren. Hier geriet der Ethikrat offensichtlich an seine Grenzen.

Deutlich wahrnehmbar definierte der Ethikrat den Begriff des Patientenwohls ethisch neu und löste ihn dabei – durchaus systemkonform – von den Patienten. Er destillierte aus dem Begriff „Patientenwohl“ den Teil heraus, der  systemkonform gerade noch vertretbar hingenommen werden kann, und bezeichnete diesen Teil durchaus generalisierend als „Patientenwohl im vom Ethikrat verstandenen Sinne“.

(wird fortgesetzt)

Patientensteuerung – richtig verstanden

Schon heute leiden Patienten unter falsch verstandener Patientensteuerung durch manche Ärzte. Es soll durch wirklich Ärztinnen und Ärzte geben, die ihre Patienten völlig unnötigerweise im nächsten (und vielleicht auch im übernächsten) Quartal nochmals einbestellen, um sich die Fallpausche der Folgequartale zu sichern; diese Patienten werden im Fachjargon „Durchlauferhitzer“ genannt.

Patienten sind viel steuerungsempfänglicher, aber auch steuerungsempfindlicher als es manche Ärzteorganisationen wahrnehmen wollen. Bei der gegenwärtig noch vorhandenen Patienten-Arzt-Zufriedenheit von ca. 93 % können Ärzte ihre Patienten sicher besser steuern als Patienten ihre Ärzte.

Dennoch scheint der Ruf der Patienten bei ihren Ärzten schlecht zu sein. Sieht man sich die entsprechenden Umfragen von Ärzteorganisationen an, sind Patienten oftmals selbst schuld,. Sie sind, wie jüngste Umfragen ergeben haben, häufig selbst dann schuld, wenn Ärzte einen Fehler machen.

Ärztebewertungsprotale, wie z. B. das in Ärztekreisen viel geschmähte in Wirklichkeit durchaus niveaureiche Bewertungsportal „Jameda“, trennen, wenn sie gut sind, die Spreu vom Weizen, auch unter den Ärztinnen und Ärzten. Selbst in Fachkreisen heißt es heute schon: „Such doch auf Jameda!“, allerdings nur hinter verborgener Hand leise flüsternd, damit niemand mithört. Offensive Ärzte schmücken heute schon die Rückseite ihrer Visitenkarten mit dem Aufdruck:

Wenn Sie mit mir zufrieden waren, bewerten Sie mich auf Jameda„.

Deutlich weniger Ärzte haben allerdings den Mut, in deutlich kleinerer Schrift hinzuzufügen:

„… und wenn Sie mit mir nicht zufrieden waren, sagen Sie es mir.“

Und nicht wenige Patientinnen und Patienten scheinen der ersten Aufforderung auch zu folgen, denn sie bewerten ihren Arzt oder ihre Ärzten durchschnittlich mit der Schulnote 1,8. Patienten, die solche Schulnoten vergeben, lassen sich sicher auch sonst durch ihre Ärztinnen und Ärzte steuern, das sind sie – auch nach Patientenverständnis – ihren Ärzten „schuldig“.

Die wirklich intelligente Patientensteuerung durch Ärztinnen und Ärzte gibt es schon lange Zeit. Gute Ärzte haben mehr Patienten und deshalb weniger freie Termine. Jedenfalls dann, wenn sie ihre Patienten intelligent steuern.

Die intelligente Patientensteuerung vermeidet vor allem zunächst unnötige Termine, denn diese schaden nur dem Patienten, dem sie nutzlos aufgewandte Zeit kosten, und bringen dem Arzt nur manchmal zusätzliches Honorar ohne eigene Leistung. Und nur die wenigsten Ärzte stellt das Honorar als Äquivalent für gefühlte Nutzlosigkeit wirklich zufrieden.

Natürlich müssen Ärzte ihre Tätigkeit – soweit dies noch möglich ist – auch Honorarmäßig optimieren. Budgetorientierte Patientensteuerung ist keine wirklich patientenzentrierte Patientensteuerung, schon gar nicht bei nur 10% Privatpatienten.

Nur wenige Ärzte können und wollen es sich leisten, auf Patienten aus der Gesetzlichen Krankenversicherung zu verzichten. Manche Ärzte, die sich für ausgezeichnet halten (und sich dies auch leisten können wollen) geben daher ihre Kassenzulassung zurück und behandeln nur die deutlich lukrativeren Privatpatienten und Selbstzahler. – Eine Art Patientensteuerung, die selektiert und nur in schlechten Gesundheitssystemen wirklich funktioniert. Fas deutsche Gesundheitssystem hat zumindest einen besseren Ruf. Es gilt als leicht überdurchschnittlich aber dafür (zu) teuer.

Selbst bei Privatpatienten machen sich manche (Chef-)Ärzte rar, nicht selbst an der jeweils geltenden Honorarordnung vorbei. Erfahrene Privatpatienten wissen das zu schätzen, denn nicht immer ist der Chefarzt besser als der in den Patientenkontakt entsandte besonders bevollmächtigte Oberarzt oder (unzulässigerweise) ermächtigte Facharzt.

Gute Praxen niedergelassener Fach- oder Hausärzte steuern nach der Notwendigkeit ihrer Inanspruchnahme nach dem Prinzip: „Die Kränksten zuerst!“ und lassen auch die entsprechende Not- und Reservekapazität bei der Terminvergabe. Qualifiziertes Praxispersonal hat meist unterscheiden gelernt, dass ein Blutzucker von 300 nicht nur erhöht sondern drängend behandlungsbedürftiger ist als ein Blutzucker von 140.

Selbst in der Praxis von Diabetologen soll heute noch manchmal die Erst-Terminvergabe in mehreren Monaten angeboten werden, anstatt die sofortige notwendige Behandlung durch einen anderen Arzt zu empfehlen. „Klug entscheiden“ sollten nicht nur die Ärzte, wie dies die Deutsche Gesellschaft für innere Medizin propagiert, sondern auch das bestens geschulte nichtmedizinische Praxisteam.

Ärztebewertungsportale werden sich weiterentwickeln und bald nicht n ur die Schnelligkeit der Terminvergabe sondern auch die Intelligenz der Terminvergabe und der Bestellpraxis bewerten lassen und so auch ihren Beitrag dazu leisten, dass Patientinnen und Patienten an den für sie „richtigen“ Arzt geraten.

Ärzte haben es selbst in der Hand, ob sie durch intelligente Patientensteuerung ihre Kapazitäten sinnvoll und zur eigenen Zufriedenheit nutzen.

Allerdings sind gerichtliche Auseinandersetzungen mit Patientenbewertungsportalen über angeblich falsche Patientenurteile nicht unbedingt ein Mittel intelligenter Patientensteuerung.

Zusatz:

Einer der nächsten Beiträge wird das Thema

Tipps zur Ärztesteuerung –

wie Patienten ihre Ärzte steuern und Optimieren.

behandeln.

Werden Krankenhäuser durch die Digitalisierung patientenfreundlicher?

Update 02.04.2016

Digitalisierung ist das „Zauberwort“ der Gegenwart und vielleicht auch der Zukunft – doch wie sieht die Realität aus?

In den letzten Jahren waren die Eindrücke beginnender besserer IT-Verarbeitung in der Praxis nicht gerade berauschend, insbesondere für Patientinnen und Patienten. Die Zahl der gefühlten Pannen und Rückschläge war – für das empfindliche Gesundheitswesen – unverhältnismäßig hoch. Ein Grund mehr, weshalb die Klinikverwaltungen in Patientenbefragungen nicht gerade hervorragend  abschneiden, auch wenn die Ärzte meist als deutlich besser in den gleichen Bewertungen beurteilt werden.

Gewohnheits- oder zeitdruckbedingte Schwächen im täglichen Patientenkontakt wurden durch die Digitalisierung eher kultiviert als verhindert. Das könnte besser werden. Patienten sollten diesen „Mut zur Illusion“ haben, die digitalen jüngeren Generationen haben ihn bereits.

Noch sieht die gefühlte Realität anders aus: Durch gedankenlose oder nicht patientenorientierte Digitalisierung im Gesundheitswesen werden die gefühlten Schwächen des Gesundheitswesens teilweise noch größer.

Drei scheinbar „banale“ Beispiele aus der real wahrgenommenen Patientenwirklichkeit eines Krankenhauses, teilweise aus der Zeit der Prä-Digitalisierung (2011):

  • Wer bisher nicht gelernt hatte, sich Fakten einfach aufzuschreiben, speichert sie digital auch nicht besser ab. Im Krankenhaus-Alltag werden sich Patientendaten insbesondere vom überlasteten Pflegepersonal nur zu gerne „gemerkt“, dann vergessen und dann nicht korrekt „später“ falsch dokumentiert. Nur die wenigsten Pflegekräfte haben Block und Blei dabei, wenn sie ben mal kurz außer der Reihe einen Wert messen sollen.  Ergonomisch geeignete supermoderne Tabletts sind ohnehin noch deutlich häufiger in farbigen Klinikprospekten als in der Realität des Stationsalltags zu finden. Dabei gibt es schon tolle Lösungen, die kostenbedingt nur noch nicht angeschafft werden.
  • Manch ein Patient hat schon die Wahrnehmung gemacht, dass seine digitalen Eingaben (z. B. per Mail“ in toten Breifkasten landen (sollen). Hier ein Beispiel aus einer Uniklinik: „Mails an diese E-Mail-Adresse werden nicht gelesen.“ diese hilfreichen Hinweise bekommt selbst der geneigte Patient nur unter der Hand. Dabei könnten Auto-Responder im E-Mail-Postfach diesen nützlichen Vermerk dem Patienten ohne weiteres auch gleich mitteilen. In nicht wenigen Krankenhäusern erfahren digitalisierungs- und kommunikationswillige Patienten die digitale Krankenhauswelt als Fake.
  • Wenn digitale Ausdrucke mit Patientendaten anderer Patienten irrtümlich an den falschen Patienten gesandt werden, ist das nicht nur ein lässlicher und entschuldbarer „Digitalisierungsfehler“. Besonders groß wird der Fehler dann, wenn der Patient den Fehler längere Zeit ebenso wenig bemerkt wie seine weiterbehandelnde Ärzte.
  • „Schreiben Sie mir keine E-Mails!“ eine ehrliche und offene Kommunikationsbeschränkung einer hochqualifizierten Oberärztin (mit E-Mail-Adresse) spart Frustrationserlebnisse und steuert den digitalisierungswilligen Patienten zurück auf den wahren Weg der auch für den Patienten aufwendigeren Weg der mündlichen Kommunikation im besser abrechnungsfähigen Sprechstunden- oder Notfalltermin.

Wer mit Digitalisierung beginnt, sollte zunächst eine Schwächenanalyse bisheriger eigener „einfacher“Fehler vornehmen und nicht meinen, die Digitalisierung sei die Zauberfee, die alles bisher Fehlerhafte quasi über Nacht wie von Zauberhand beseitigt. – immer wieder ist festzustellen, dass Krankenhäuser und ihre Mitarbeiter noch nicht einmal im Zeitalter der telefonischen Erreichbarkeit angenommen sind. Wer sich die Mühe macht, in Krankenhäusern anzurufen, ist häufig einem Hindernislauf ausgesetzt, der den legendären „Buchbinder Wanniger“ als Sprinter sieht. Der erste Schritt zur Digitalisierung ist, die Kommuni8kation außerhalb der Sprechstunde in Ordnung zu bringen, selbst diese Kommunikation müsste mit dem Ziel trainiert werden, dass Output-Orientierung und nicht Abwimmeln eigentlich das Ziel jeder patientenorientierten Kommunikation sein sollte. Der heutige Krankenhaus-Alltag sieht noch meist anders aus. Die sicherlich nicht unwichtige Frage: „Wie vermeide ich vermeintlich unnütze Patientenkommunikation?“ scheint der Schwerpunkt in angebotenen Kommunikationsseminaren zu sein.

Wie unerwünscht Digitalisierung in Krankenhäusern sein kann, davon können Patienten vielfach gleich mehrere Arien singen. E-Mail-Adressen finden sich bei Krankenhäusern nur an sorgsam versteckten Stellen auf der Website (z. B. im Impressum). Patienten ist noch immer zu empfehlen, sich der deutlich häufiger vorhanden E-Mail-Angaben im „Zuweiserbereich“ des Internetauftritts zu bedienen. Universitätskliniken sind da keine Ausnahme. Patientenorientierung außerhalb der Sprechstunde ist nur in der Notaufnahme ein häufig angebotener und dann auch nicht immer optimal genutzter Standard. Auf deshalb warten Patienten manchmal mit Fragen so lange, bis sie in die Notaufnahme gehen können. Meist ist dies Samstag nachts oder Sonntag morgens. Auch so können Notaufnahmefälle produziert werden. Und nicht nur für Neupatienten, sondern auch für solche, die ihre Versicherungskarte und ihren Überweisungsschein im aktuellen Quartal schon vorgelegt haben.

Wirklich positive Ergebnisse der (kostenrelevant alternativlosen) Digitalisierung in den Krankenhäusern werden wohl noch längere Zeit auf sich warten lassen. Die Realität sieht noch ganz anders aus.

Daher werden Krankenhäuser, die den Praxistest durch ihre Patienten in Sachen digitaler Kommunikation wirklich bestehen, bald das Prädikat

„Patientenkontakt digitalisierungsfähig“

in Rankings erhalten, am besten gekennzeichnet durch ein Smartphone-Symbol.

Nur ansatzweise digitalisierte Krankenhäuser würden dann vielleicht dort das bedingt empfehlenswerte Prädikat

„Krankhaus mit (zunehmendem) Digitalisierungseffekt“

erhalten. Im Ranking könnten solche Krankenhäuser ein digitales Glühwürmchen als Smiley erhalten. Die Zahl solcher Krankenhäuser dürfte derzeit noch überwiegen.

Ein Trost für Krankenhäuser: Solche Ranking-Urteile werden von Patientinnen und Patienten aus Respekt und wegen des schützenswerten Arzt-Patienten-Verhältnisses aktuell eher gedacht als kommuniziert. In Zukunft wird die sinnvolle Digitaisierung ein wichtiger Faktor der Patientenzufriedenheit sein.

Fehler, die in den Kinderschuhen der Krankenhaus-Digitalisierung systemisch gemacht werden, pflanzen sich erfahrungsgemäß über viele Jahre fort. Gerade anfangs der patientenorientierten Digitalisierung sollte daher eine „Null-Fehler-Policy“ angestrebt werden.

Einfach loszulegen bei der Digitalisierung bar jeder Patientenorientierung kann existenzgefährdende Neben- und Wechselwirkungen haben, nicht nur für einzelne Patienten sondern für die gesamte Klinik mit ihren vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, gleich ob in der Medizin, der Pflege oder der Verwaltung. Auch dafür gibt es schon erste Beispiele, man muss nur genauer hinsehen.

Patienten-Zwischenruf.de wird unregelmäßig aber zunehmend über positive und negative Erfahrungen der Digitalisierung in Krankenhäusern und in der Medizin berichten. Bei Negativbeispielen sicher zunächst unter Wahrung einer  Anonymität, hoffend auf Selbsterkenntnis der immer noch ca. 2.000 Krankenhäuser in Deutschland, die inzwischen jedenfalls in Ballungszentren einem massiven Wettbewerbsdruck unterliegen. Denn dafür wird die Digitalisierung die notwendige Fallzahl- und Qualitätstransparenz nicht nur für die Patienten sondern auch für die heute noch immer meist entscheidenden „Zuweiser“ schaffen.

So wird die Digitalisierung die Wettbewerbssituation in der Krankenhauslandschaft spätestens mittelfristig entscheidend bestimmen. Für digital affine Patientinnen und Patienten eine durchaus gute Botschaft.

Auch Krankenhäuser müssen lernen, mehr auf ihre Patienten zu hören

Anscheinend sehen manche Krankenhäuser noch immer ihre Patientinnen und Patienten nur als Objekte ärztlichen Unterfangens. „Patientenorientierung“ oder gar „Patientenzentrierung“ scheint für nicht wenige Krankenhäuser noch immer in den Bereich der Fremdwörter zu gehören. Selbst für manche Spitzenverbände ist „Patientenorientierung“ nur dann von Bedeutung, wenn Klinikreformen drohen könnten.

In Zeiten zunehmender Flexibilität und Mobilität der Patientinnen und Patienten wird diese „Veränderungsfestigkeit“ (auch „Beratungsresistenz“ genannt) zum finanziellen Problem. Für Patienten unattraktive Kliniken wundern sich dann, woher ihr finanzielles Defizit kommt. Und Krankenhausträger und -aufsichtsgremien sehen Defizite als etwas Schicksalshaftes an, dem man nicht entgehen kann.

Dabei wäre es so einfach, wenn Krankenhäuser auf ihre Patientinnen und Patienten hören würden. In defizitären Häusern sind schlechte Krankenhausverwaltungen die Regel. Patienten, die am meisten darunter leiden, wissen davon ein Lied zu singen. Und meist äußern sie sich dazu auch, scheinbar form-, frist- und fruchtlos in Patientenbefragungen oder sogar in noch immer zu komplexen Evaluationsbögen ohne Feedback.

Die Folge: Immer mehr Patientinnen und Patienten ziehen aus der vermeintlichen Nichtwahrnehmung die Konsequenz und suchen sich, wenn sie es noch können und mobil genug sind, ein anderes Krankenhaus. Und das Defizit des schlecht gefühlten Krankenhauses erhöht sich weiter,  nur die Kosten der Notaufnahme stigen und erhöhten die Unwirtschaftlichkeit.

Krankenhäuser sollten in ersten Linie auf ihre Patienten hören, wenn es um Fragen der Krankenhausorganisation geht. Mindestens im direkten Patientenkontakt sind Patienten die besten, häufig aber auch die vernachlässigten Ratgeber.

Eine Vernachlässigung die sich in steigenden Defiziten und sinkenden Belegungszahlen böse rächt.

Dabei gibt es eigentlich sechs „einfache“ Grundregeln, um Krankenhäuser aus ihrem finanziellen und Belegungstief zu holen:

  • Klinik selbst aus der Patientenperspektive beurteilen und nicht nach Entschuldigungen suchen,
  • Patientenbefragungen analysieren (lassen) und fühlbare Konsequenzen daraus ziehen,
  • Feedback auf Beurteilungsbögen aller Art „Motto: Wir nehmen Sie als Patient erst“,
  • Stufenplan zu mehr Patientenfreundlichkeit entwickeln und veröffentlichen,
  • externe Schwächenanalyse durch Patientenvertreter
  • Patientenvertreter im Aufsichts- oder Beirat mit Stimmrecht

Im Vergleich zu den inzwischen erreichten Krankenhaus-Defiziten sind di Kosten für mehr Patientenorientierung deutlich zu vernachlässigen.

Und jeder Klinikträger, der Defizite ausgleichen muss, sollte „eigentlich“ sein Krankenhaus auf diese Grundsätze zu mehr Patientenorientierung verpflichten bzw. sie selbst (im Aufsichtsrat) umsetzen.

Vielleicht brauchen wir zumindest eine Zeitlang einen möglichst resilienten „Quotenpatienten“ im Aufsichtsrat-

Klinikum Stuttgart in schwerem Fahrwasser – Weiter Sturm über der Kliniklandschaft in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg hat seit Längerem kein übermäßiges Glück mit Teilen seiner Kliniklandschaft. Nach einer Reihe anderer Krankenhäuser mit starken Problemen unterschiedlichster Art hat es nun das Klinikum Stuttgart erwischt.

Dort hat nun eine Interims-Geschäftsführung, bestehend aus dem bisherigen Personalchef und der bisherigen Bereichsleiterin Finanzen und Controlling die strategische und operative Leitung des Klinikums für die Dauer eines Jahres, längstens jedoch bis zum April 2017, übernommen. Eine als besondere Expertin im Gesundheitswesen ausgewiesene Beratungsgesellschaft steht der Interimsgeschäftsführung zur Seite. Innerhalb weniger Wochen soll ein neues Strukturkonzept für den bisherigen Eigenbetrieb mit mehr als 6.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen und über die Umwandlung in eine Anstalt des öffentlichen Rechts nachgedacht werden.

Die Lage des Klinikums ist alles andere als komfortabel. Der Ärztliche Direktor ist bereits vor einigen Monaten ausgeschieden, um zum Ärztlicher Vorstandsvorsitzender einer großen Universitätsklinik im Rhein-Main-Gebiet aufzusteigen. Die Landeshauptstadt Stuttgart hat sich nun „im beiderseitigen Einvernehmen“ gegen Zahlung einer Abfindung von ca. zwei Jahresgehältern vom Geschäftsführer relativ kostengünstig getrennt und seinen noch eine Reihe von Jahren laufenden Vertrag vorzeitig beendet.

Lang anhaltende Strukturprobleme und eine wohl zu große Sparsamkeit bei der Führung des Klinikums Stuttgart, das sind die Inhouse-Probleme, die nun die Ereignisse eskalieren ließen. Auf den Klinikbetrieb selbst hat dies bislang keine Auswirkungen gehabt, so dass die eigentlich notwendige Einbeziehung von Patientinnen und Patienten in die Strukturentscheidungen bisher eher zu kurz kamen. Ob sich das in Zukunft ändert, wird von den Patientenverbänden abhängig sein, eine Protestbewegung hat sich bislang bei den Patienten in der Stadt von Stuttgart 21 noch nicht formiert.

Die getroffenen Führungsentscheidungen beruhigen zunächst die Gemüter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine der beiden angesehenen regionalen Zeitungen schreibt sogar euphorisch von einem „Neustart mit provisorischer Führung“, auch wenn es noch an nachhaltig Neuem gefühlt durchaus mangelt.

Dabei hat das Klinikum Stuttgart in den letzten Jahren sich deutlich verändert, auch wenn nicht jede Veränderung auch in der höchst unterschiedlichen Patientenzufriedenheit oder innerhalb des Klinikums Stuttgart positive Spuren hinterlässt. So gab es nicht nur Licht sondern auch seit Längerem schon starke Schatten.

Eine konsequente Standortverringerung von vier auf zwei Klinikstandorte, der Aufbau einer „International Unit“ für hoffentlich zahlungskräftige Kunden aus dem Ausland und ein erhebliches Defizit sind die Schwerpunkte in der Geschäftsführung gewesen, die sie inzwischen schon mehr als zwei Jahre in Atem hielten. Wohl zu viel für einen einzigen Geschäftsführer und sein Beraterteam, zu dem auch die neuen Interimsgeschäftsführer gehörten.

Die Vielfalt der Modelle und das Nachdenken über eine neue Struktur lässt den Willen der Landeshauptstadt Stuttgart erkennen, den Zustand des Klinikums alsbald deutlich organisatorisch und strukturell zu verbessern. Auch bei der Qualität der ärztlichen Leistung soll dem Vernehmen nach teilweise durch Optimierungsbedarf vorhanden sein.

Dass die historische Struktur des kommunalen Eigenbetriebs heute nicht mehr in die Kliniklandschaft für ein Klinikum mit mehr als 2.500 Betten passt, liegt auf der Hand.

Die Umwandlung des auch als Akademisches Lehrkrankenhaus fungierenden Klinikums in eine eigenständige Anstalt des öffentlichen Rechtsmit einer eigenen Rechtsfähigkeit und einem wirklich überwachenden Aufsichtsrat, der nicht nur aus Stadtvertretern sondern auch aus Experten besteht, dürfte sicherlich ein richtiger Schritt sein. Wenn nun auch noch Patientenvertreter in den Aufsichtsrat einziehen und ihre Kompetenz unter Beweis stellen könnten, kann sich dies mittelfristig nur auf die noch immer nicht gerade ausnahmslos positive Reputation des Klinikums auswirken.

Für den südwestdeutschen Raum ist  Stuttgart mit seinem Klinikum schon  heute ein Modell, egal ob positiv oder negativ. Noch kann sich das Blatt zum Positiven wenden und ein echtes Vorzeigemodell entstehen.

Viel Zeit dazu ist aber nicht mehr. Und das baden-württembergische Sozialministerium, zu dessen Zuständigkeit auch die Gesundheit gehört, schweigt. Aber vielleicht wird sich nach einer Regierungsbildung, wie sich auch immer aussehen mag, daran etwas ändern. Die Gesundheit jedenfalls braucht in all ihren Facetten dringend wieder ein eigenständiges Gesundheitsministerium, schon um der Prävention und der Wirtschaftlichkeit willen.

Kunstfehler auch Teil der Qualitätssicherung? – Wen interessiert’s wirklich?

Interessierte Neutralität in der Qualitätssicherung ist mehr denn je notwendig

Über die Zahl der Kunstfehler durch Ärzte und deren auch schwerwiegende Folgen ist schon viel gemutmaßt worden.

Die Bundesärztekammer hat – durchaus aufgabengemäß – nun eine niedrige Zahl an tatsächlichen Kunstfehlern und eine noch geringere Zahl an dadurch verursachten Todesfällen, nämlich ca. 100 pro Jahr, genannt.

Andere Player im Gesundheitswesen gehen – je nach Interessenlage – von bis zu 20.000 Toten jährlich aus. Und zwischen den beiden Zahlen wird auch irgendwo wohl die „richtige“ Zahl liegen.

Die Aktion Patientensicherheit geht da einen gänzlich anderen Weg, der wohl präventiver ist: Sie fordert immer wieder Verhaltensmaßnahmen ein, die Kunstfehler zu vermeiden helfen. Und damit hat sie auch einen nicht nur bescheidenen Erfolg.

OP-Checklisten heute schon ein Erfolgsmodell der Qualitätssicherung

So sind z. B. OP-Checklisten vor Beginn der Operation vielfach schon die Regel geworden. Und sie wären noch viel verbreiteter, wenn Patientinnen und Patienten im Aufklärungsgespräch ausdrücklich die Frage beantworten ließen, ob die jeweilige Klinik solche Checklisten im Vorbereitungsraum auch verwendet und ausfüllt.

Qualitätssicherung braucht stimmberechtigte Patientenvertreter

Überhaupt wäre es aus einer ganzen Reihe von Gründen sinnvoll, Patientenvertreter in die ärztliche Qualitätssicherung aktiv einzubeziehen, aber dazu sind gegenwärtig die Berührungsängste noch viel zu groß.

Nicht gerade wenige Ärzte meinen, dass durch die Beteiligung von Patientenverbänden in der Qualitätssicherung das notwendige ärztliche Vertrauensverhältnis in die Vertraulichkeit der Qualitätssicherung nicht mehr gewährleistet werden könnte und sich Ärztinnen und Ärzte den Qualitätssicherungsmaßnahmen verschließen oder gar entziehen würden.

Dabei bringt die Patientenperspektive in der ärztlichen Qualitätssicherung häufig erst die notwendigen Qualitätsziele, die sich keineswegs im vermeintlich allumfassenden „Outcome“ in der fast schon unvermeidlichen Fallzahldarstellung erschöpfen.

Gute Krankenhäuser werden in den kommenden Jahren zunehmend Patienten in die ärztliche Qualitätssicherung einbeziehen, wobei die Einbeziehung auch zu einem späteren Zeitpunkt im Qualitätssicherungsprozess erfolgen kann. So wäre es durchaus denkbar, dass Ärzten zunächst im Rahmen der Peer-to-Peer Bewertung innerhalb eines Jahres die Chance gegeben wird, die festgestellten Qualitätsdefizite auszugleichen und erst beim Folgecheck kompetente Patientenvertreter eingebunden werden.

Und in wenigen Jahren wird die Ausgrenzung von Patientenvertretern bei der ärztlichen Qualitätssicherung ein Negativmerkmal schlechter Kliniken sein. Und Patienten werden daraus für sich die entsprechenden Konsequenzen ziehen, sofern sie dies können und Krankenkassen sie wirklich unterstützen. Zugegeben, heute noch schwer vorstellbar.

Auf diese Weise könnte die präventive Qualitätssicherung zu einem Erfolgsmodell im Gesundheitswesen werden. Und damit auch noch die Zahl der schweren Kunstfehler deutlich reduzieren.

Wird „Klug entscheiden“ zum Fanal für Leitlinien in der Medizin? Leitlinien-Wissen kommt bei Ärzten nicht an

Während die AWMF (Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher medizinischer Fachgesellschaften) noch immer ihre Kampagne unter das Motto stellt „Gemeinsam klug entscheiden“ bleibt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) dabei, dass sie mit ihrer deutlich stärker ärztlich zentrierten Kampagne „Klug entscheiden“ die Innere Medizin entscheidend voranbringen und Über- und Unterversorgung wirkungsvoll abbauen könne.

Der Verzicht auf das Wort „Gemeinsam“ zeigt eigentlich erfreulich klar den Unterschied zwischen der AWMF als Dachgesellschaft und der DGIM auf. Während die AWMF die Patientenbeteiligung als wichtigen integralen Bestandteil des Gesamtprozesses ansieht, scheint es bei der DGIM mehr das zum Schluss vorgesehene Sahnehäubchen auf fertig vorfabrizierte ärztlich gefasste und unumstößliche Auffassungen zu sein, als ob die Patientenperspektive nachgerade schädlich für kluges Entscheiden der Berufsträger sei.

Dabei hat die DGIM durch eine von ihr veranlasste Umfrage nu8n den vermeintlich Schuldigen für Unter- und Überversorgung in der ärztlichen Therapie gefunden: Dioe Leitlinien kommen nicht bei den Ärzten an. Ähnliche Beschwerden sind allerdings auch über die Ergebnisse des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) und über andere valide Ergebnisse von Studien zu hören.

Hier die entsprechende Diagnose der DGIM für die Leitlinien, die zu wenig beachtet werden.

Eigentlich sollte die Umfrage der DGIM unter ihren Mitgliedern nur der einstieg für die Fokussierung auf bestimmte Unter- bzw. Überversorgungen sein, Nun wird aus diesem einstieg eher eine Fundamentalkritik an den Leitlinien, insbesondere ihrer Erstellung und ihrer Verständlichkeit. Die Aussagen der Leitlinien selbst werden – möglicherweise auch wegen der Unkenntnis – eher nicht krtisiert.

Für die Medizinische Fachgesellschaft DGIM kann es eigentlich nur eine Konsequenz geben: Sie muss eine Übersetzungshilfe für die Leitlinien bieten und dabei auf Verständlichkeit insbesondere auch für Ärzte fokussieren.

Die gleiche Aufgabe haben nun auch die Patientenverbände für ihre Patientinnen und Patienten. Wenn schon Ärzte die Leitlinien nicht verstehen, dann ist es sicher auch bei den medizinischen Laien nicht besser. Viele Patienten können mit Leitlinien, auch mit sogenannten „Patientenleitlinien“ bislang noch viel zu wenig anfangen.

Viel gewonnen wäre schon, wenn Patienten die Leitlinien offen zum Arzttermin mitnehmen, denn dann muss der Arzt aus Gründen der Kompetenzerhaltung sein eigenes (hoffentlich überlegenes) Leitlinienwissen aktiv unter Beweis stellen, wobei für bilaterale Leitliniendiskussionen in der Praxis sicher kein Raum ist.

Über kurz oder lang werden Leitlinien nicht mehr nur Empfehlungen an die Ärztinnen und Ärzte sein, sondern (Mindest-)Standard medizinischen Wissens, das nicht mehr unterschritten werden darf, ohne dass sich der Arzt dem Vorwurf eines Behandlungsfehlers noch entziehen kann. Wahrscheinlich wird erst diese Sanktion die Durchsetzungsfähigkeit der Leitlinien so beschleunigen, dass die Leitlinien zum aktiven Stand medizinischen Wissens werden.

Aber auch die Leitlinienpraxis wird sich verändern müssen. Bessere Verständlichkeit der Leitlinien, auch für Patientinnen und Patienten, mehr Patientenleitlinien und schnellere Aktualisierung sind hier gefordert.

Leitli9nien werden in Zukunft den ärztlichen Behandlungsstandard definieren. Der erste Schritt zum „Klug entscheiden“ wird daher sein, vor der Behandlung die entsprechenden Leitlinien aktiv zur Kenntnis zu nehmen und zu verinnerlichen. Die Zeiten, in denen die Leitlinien das Papier nicht wert sind, auf das sie gedruckt werden, dürfte endgültig vorbei sein.

Die Zeit, in der es sich kompetente Ärztinnen und Ärzte die Ignoranz von Leitlinien leisten konnten, werden vorbei sein, wenn Patientinnen und Patienten die „leitliniengerechte Behandlung“ alktiv bei ihrem Arzt einfordern und nötigenfalls den Arzt wechseln, wenn Ärzte dazu nicht bereit sind.